FAQ

Steigt der Meeresspiegel?

Ja, es gibt überzeugende Beweise dafür, dass der Meeresspiegel nach einem Zeitraum mit geringen Veränderungen (zwischen 0 – 1900) im 20. Jahrhundert weltweit allmählich gestiegen ist. Man rechnet mit einem sogar noch schnelleren Meeresspiegelanstieg in diesem Jahrhundert. Die beiden Hauptursachen für den Anstieg sind das Schmelzen des Inlandeises sowie die mit dem Temperaturanstieg verbundene Ausdehnung des Meerwassers.

Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 21.000 Jahren stieg der Meeresspiegel um 120 Meter an bis er sich vor gut 2500 Jahren stabilisierte. Danach gab es bis zum Jahr 1900 wenige Veränderungen. Die instrumentellen Aufzeichnungen der aktuellen Meeresspiegelveränderungen zeigen den Beginn eines Meeresspiegelanstiegs während des 19. Jahrhunderts. Schätzungen für das 20. Jahrhundert zeigen, dass der Meeresspiegel weltweit durchschnittlich um etwa 1,7 mm/Jahr gestiegen ist.

 

Abbildung 1: bis vor 6.000 Jahren stieg der Meeresspiegel pro Jahrhundert um durchschnittlich etwa 80 cm. Dieser Anstieg geschah teilweise in Sprüngen (Schmelzwasserpulse). (Quelle: www.giss.nasa.gov/research/briefs/gornitz_09).

Die seit den frühen 1990ern vorhandenen Meeresspiegeldaten aus Satellitenmessungen liefern eine fast globale Abdeckung. Dieser lange Datensatz zeigt, dass der Meeresspiegel seit 1993 um etwa 3 mm/Jahr gestiegen ist. Dies ist signifikant höher als der Durchschnitt während des vorigen halben Jahrhunderts. Messungen von Gezeitenpegeln an der Küste bestätigen diese Beobachtung und lassen erkennen, dass in einigen früheren Jahrzehnten ähnliche Zuwachsraten aufgetreten sind.

 

Abbildung 2: Zeitreihe des globalen Meeresspiegels (als Abweichung vom Mittel 1980-1999). Für den Zeitraum vor 1870 sind Messungen nicht vorhanden. Die rote Linie basiert auf Pegelmessungen, die grüne Linie auf Satellitenmessungen. Die Projektion für die Zukunft repräsentiert Modellrechnungen für verschiedene Szenarien und wurde unabhängig von den Beobachtungen bestimmt (IPCC, 2007).

In Übereinstimmung mit Klimamodellen zeigen Satellitendaten und hydrografische Beobachtungen, dass der Meeresspiegel nicht auf der ganzen Welt einheitlich steigt. In einigen Regionen steigt er um ein Vielfaches schneller als der durchschnittliche weltweite Anstieg, während der Meeresspiegel in anderen Regionen sinkt. Auch folgert man aus hydrografischen Beobachtungen beträchtliche örtliche Schwankungen der Meeresspiegeländerungen. Diese räumliche Variation der Meeresspiegeländerung ist meist durch eine ungleichmäßige Veränderung der Temperatur und des Salzgehalts bedingt und hängt mit Veränderungen der Ozeanzirkulation zusammen.

Abbildung 3: Regionale Meeresspiegeländerungen aufgrund von Dichte- und Zirkulationsänderungen relativ zum globalen Durchschnitt (Quelle: geändert nach IPCC 2007, S. 813).

In den letzten Jahren verfügbar gewordene und nahezu weltumspannende Datensätze der Ozeantemperatur ermöglichen eine direkte Berechnung der thermischen Ausdehnung. Man nimmt an, dass im Zeitraum von 1961 bis 2003 die thermische Ausdehnung durchschnittlich etwa ein Viertel zum beobachteten Meeresspiegelanstieg beigetragen hat. Diese Datensätze haben aber nicht das volle Ausmaß des beobachteten Meeresspiegelanstiegs während dieses Zeitraums zufriedenstellend abgebildet (siehe 3. IPCC-Gutachten). Für den Zeitraum 1993–2003, für die die Beobachtungssysteme viel besser geworden sind, machen trotz einiger Unsicherheit bei den Schätzungen, thermische Ausdehnung und Landeisschmelze jeweils die Hälfte des beobachteten Meeresspiegelanstiegs aus.

Tabelle 1: Ursachen des Meeresspiegelanstieges (Quelle: IPCC 2007, Tabelle 5.3, S. 419).

Die realistische Übereinstimmung zwischen dem in den letzten Jahren beobachteten Ausmaß des Meeresspiegelanstiegs und der Summe thermischer Ausdehnungen und Landeisverlusten deutet auf eine Obergrenze für das Ausmaß der Veränderungen bei der landgebundenen Wasserspeicherung hin. Unser Wissen über diese Speicherung ist relativ gering. Modellergebnisse zeigen keinen Trend bei der Nettowasserspeicherung über Land aufgrund klimagesteuerter Veränderungen, aber es existieren große interannuelle und dekadische Fluktuationen. Dennoch ist für den Zeitraum von 1993 bis 2003 die geringe Abweichung zwischen dem beobachteten Meeresspiegelanstieg und der Summe bekannter Beiträge möglicherweise auf mengenmäßig nicht bestimmte, durch den Menschen verursachte Prozesse zurückzuführen (z. B. Grundwasserentnahme, Stauung in Speicherbecken, Drainage von Feuchtgebieten und Abholzung von Wäldern).

Man projiziert, dass der weltweite Meeresspiegel während des 21. Jahrhunderts schneller steigen wird als im Zeitraum vom 1961 bis 2003. Im IPCC Bericht über Emissionsszenarien (SRES) liegt der weltweite Meeresspiegel im A1B-Szenario z. B. Mitte der 2090er Jahre um 0,22 bis 0,44 m über dem Niveau von 1990 und steigt um etwa 4 mm/Jahr. Wie in der Vergangenheit, so werden auch in der Zukunft Meeresspiegeländerungen nicht geografisch gleichförmig auftreten. In einer typischen Modellprojektion variieren die regionalen Meeresspiegeländerungen innerhalb etwa ±0.15 m des Mittelwerts. Man projiziert, dass die thermische Ausdehnung mehr als die Hälfte des durchschnittlichen Anstiegs ausmachen wird, aber auch, dass das Landeis im Laufe des Jahrhunderts immer schneller an Masse verlieren wird. Eine große Ungewissheit besteht darüber, ob der Eisverlust von den Eisschilden als Folge eines beschleunigten Eisflusses weiterhin zunehmen wird, wie dies in den letzten Jahren beobachtet wurde. Dies würde zum Meeresspiegelanstieg beitragen, aber wegen der begrenzten Kenntnisse der maßgeblichen Prozesse sind verlässliche mengenmäßige Berechnungen des Beitrags bisher nicht möglich.

Quelle (falls nicht anders gekennzeichnet):IPCC, 2007: Climate Change 2007: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Solomon, S., D. Qin, M. Manning, Z. Chen, M. Marquis, K.B. Averyt, M. Tignor and H.L. Miller (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, S. 409, FAQ 5.1.

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