DKK-Expertendialog

13.03.2013

DKK-Expertendialog: Diskussion über technisch machbare Treibhausgas Reduktionen und zukünftige Energiesysteme

Die Energiewende ist die ambitionierte Antwort der Politik auf die Befunde der Klimawissenschaft und findet international große Beachtung. Bei der Umsetzung des Projekts spielt die technische Machbarkeit eine entscheidende Rolle. Im Rahmen seiner Jahrestagung am 11. März lud das DKK einen ausgewiesenen Experten für Energiesysteme der Zukunft ein, um sich über den Stand der Wissenschaft zu informieren und über Chancen und Risiken auszutauschen: Prof. Dr. Jürgen Schmid, ehemaliger Leiter des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und vier Jahre lang Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) stellte die inzwischen weit verzweigte Familie der Energiesysteme vor, die zu einer Low-Carbon-Society führen können. Zu dem Expertendialog waren auch Bundestagsabgeordnete und Medienvertreter und Vertreter von NGOs gekommen.

Professor Schmid präsentierte in seinem Vortrag die wichtigsten Innovationen auf den Gebieten der Energienutzung und der Speicher-technologien und zeigte die Möglichkeiten für eine Low-Carbon-Society auf, die heute schon bestehen. Eines seiner zentralen Argumente war, dass durch eine konsequente  Nutzung Erneuerbarer Energien nicht nur die Treibhausgas-Emissionen auf ein Minimum zurückgefahren werden können, sondern dieser Weg auch langfristig in eine wirtschaftliche Gewinnzone frühen kann. Nach Berechnungen des WBGU bedeutet das für Deutschland konkret, dass man etwa acht Prozent höhere Energiekosten bis 2025 einsetzen müsse und danach sukzessive Energiekosten einspare. Unter anderem liegt das daran, dass der Wirkungsgrad der Erbneuerbaren sehr viel höher ist und mit ihrer Nutzung gleichzeitig die Energieeffizienz zunimmt. "Auf dem Weg in eine Low Carbon Society brauchen wir beides: Erneuerbare und Effizienzgewinne und gerade durch die Erneuerbaren realisieren wir ein enormes Potenzial der Effizienz." Schmid sprach auch das Problem der heterogenen Verfügbarkeit von Strom durch Erneuerbare an. Hier stellte er unterschiedliche Speichertechnologien vor und warb für eine kluge Kombination der Nutzung Erneuerbarer Energien und der Speichertechnologien. Ein Computer gesteuertes Lastenmanagement im Stromnetz, "Smart Grid", könne zu einer stabilen Verfügbarkeit führen.

Ein solches Smart Grid ist jedoch nicht unproblematisch, wie sich in der anschließenden Diskussion herausstellte. Bereits eine kleine Störung kann zu unübersehbaren Folgen führen, da sich der Schaden in diesem großen, hochvernetzten System bisher kaum begrenzen lässt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen technischen Defekt oder menschliche Manipulation handelt. Die Debatte zeigte: es gibt bereits überraschend vielfältige technische Lösungen, die konkrete Einführung in die Gesellschaft kann jedoch zu neuen Problemen führen. Probleme sind für die Wissenschaft bekanntermaßen nur Herausforderungen, die neue Lösungsmöglichkeiten hervorbringen. Um zu einer Transformation der Energiesysteme zu kommen, bedarf es aber auch intensiver Dialoge zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Der DKK-Expertendialog ist ein Beitrag dazu.

Den Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Schmid finden Sie hier (PDF)

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