Klima-Fakt 26 | Zehntelgrad

Jedes Zehntelgrad zählt

Zehntelgrad | Deutschland © klimafakten.de

Selbst scheinbar geringe globale Erwärmungen können schwerwiegende Folgen haben. Wenn sich die Erde zum Beispiel um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt, werden voraussichtlich 70 bis 90 Prozent der weltweiten Korallenriffe absterben – bei 2 °C es praktisch alle (98 bis 99 Prozent) (Schleussner et al. 2016). Ein zeitweise eisfreier Nordpol ist bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung rund alle 40 Jahre zu erwarten – bei 2 °C jedoch alle drei bis fünf Jahre (Screen 2018). Eine Sturmflut, wie sie bisher an der Nordseeküste bei Cuxhaven statistisch alle 500 Jahre auftritt, wird bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung einmal in hundert Jahren erwartet – bei 2 °C jedoch alle 33 Jahre (Rasmussen et al. 2018).

Das Ziel, die globale Erwärmung auf höchstens 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, ist erreichbar. Laut IPCC dürfen wir dazu noch etwa 420 Gigatonnen Kohlendioxid ab dem 1. Januar 2018 ausstoßen (67 Prozent Wahrscheinlichkeit) (IPCC 2019, SR 1.5). Allein im Jahr 2020 betrugen die anthropogenen CO2-Emissionen weltweit um die 40 Gigatonnen (Friedlingstein et al., 2020). Würde dieses Emissionsniveau beibehalten werden, wäre das Restbudget also in rund zehn Jahren "aufgebraucht". Wenn die Menschheit trotz Emissionsminderungen mehr als dieses Restbudget ausstößt, müssen wir der Atmosphäre zusätzlich bereits ausgestoßene Treibhausgase wieder entziehen. Fachleute sprechen hier von "negativen Emissionen". Möglich wäre dies zum Beispiel durch großflächige Aufforstungen oder neue Technologien. Die Umsetzbarkeit und mögliche negative Nebenwirkungen werden derzeit intensiv erforscht. 

Der IPCC schrieb deshalb 2018 im Vorwort zu seinem Sonderbericht über 1,5 Grad globale Erwärmung: „Jedes bisschen an Erwärmung zählt.“ (IPCC 2018, SR1.5, Vorwort)

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