Konferenz von DKK und AK V

Den Bevölkerungsschutz an den Klimawandel anpassen

Wie der Bevölkerungsschutz an den Klimawandel angepasst werden muss, diskutierten Expertinnen und Experten beider Bereiche am 20. Juni in Berlin. Die Konferenz wurde vom Arbeitskreis V der Innenministerkonferenz, der für Feuerwehrangelegenheiten, Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung zuständig ist, und dem Deutschen Klima-Konsortium (DKK) veranstaltet.

Anlass für die Konferenz war die Oderflut von 1997 – eine Jahrhundertflut, die vor allem in Polen und Tschechien mehr als 100 Todesopfer forderte und Schäden in Milliardenhöhe verursachte. Der DKK-Vorstandsvorsitzende Prof. Mojib Latif fasste in der Keynote den Stand der Wissenschaft zum Klimawandel zusammen und sagte den rund 70 Expertinnen und Experten unmissverständlich: „Die Wetterextreme haben zugenommen und werden es auch weiter tun.“

Albrecht Broemme © MIK Brandenburg
Einsatzfahrzeuge des THW und der Feuerwehr © MIK Brandenburg
Prof. Dr. Mojib Latif © MIK Brandenburg

Albrecht Broemme, Präsident des THW, und damals als Landesbranddirektor der Berliner Feuerwehr in die Bekämpfung des Oderhochwassers involviert, konnte in seiner Bilanz zeigen, dass der Bevölkerungsschutz aus seinen damaligen Defiziten gelernt hat. Dies bestätigte auch Dr. Wolfram Geier, Abteilungsleiter im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), einer oberen Bundesbehörde, die erst sieben Jahre später im Zuge neuer Aufgaben gegründet worden war.

Dr. Achim Daschkeit vom Umweltbundesamt konnte zeigen, dass volle zehn Jahre nach der Oderflut die „Strategische Behördenallianz“ (2007) gegründet worden war und schließlich die Deutsche Anpassungsstrategie (2008) und der Aktionsplan Anpassung (2011) von der Bundesregierung verabschiedet wurden.

Dr. Herbert Trimbach © MIK Brandenburg
Workshop © MIK Brandenburg
PD Dr. Achim Daschkeit © MIK Brandenburg

Also alle Lektionen gelernt? So weit wollten die Anwesenden dann doch nicht gehen. Zumal der Klimaforscher Latif dem Publikum klarmachte, dass wir heute erst am Anfang einer Entwicklung stehen, die – selbst bei theoretisch sofortiger Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes auf null – nicht mehr gestoppt werden kann.

Der Zukunft mit mehr und heftigeren Extremwettern lässt sich nur mit neuen Kooperationen begegnen. Das gilt insbesondere für die Arbeitskreise der Länder und Kommunen, die für Klimaanpassung zuständig sind – wie etwa die Arbeitsgemeinschaft Klima, Energie, Mobilität, Nachhaltigkeit (BLAG KliNa) der Umweltministerkonferenz. In dem anschließenden World Café begegneten sich Bevölkerungsschützer und Klimaanpassungs-Akteure teilweise zum ersten Mal und lernten voneinander.

Die beiden Veranstalter, der Vorsitzende des AK V Dr. Herbert Trimbach und die DKK-Geschäftsführerin Marie-Luise Beck, sahen im anschließenden Resümee besonders in einer regelhaften Zusammenarbeit dieser beiden Seiten auf Länderebene Nachholbedarf, ebenso bei der Kooperation mit Multiplikatoren wie dem Städtetag und einer breiten Kampagne zur Sensibilisierung der Bevölkerung. Die Frage, welche Bildungsarbeit – von den Feuerwehrschulen bis zum Stadtteilfest – hierfür notwendig ist, wurde allenfalls gestreift und sollte ebenfalls Anlass zu weiteren Gesprächen geben.

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