Klima-Argument 9 | CO2-Speicherung

CCS und CCU sind keine Technologien, um fossile Kraftwerke „grün“ zu machen.

Die Abscheidung und unterirdische oder untermeerische Speicherung von Kohlendioxid (CCS: Carbon Capture and Storage) verfügt derzeit nicht über die erforderliche Reife für einen großtechnischen Einsatz. Außerdem handelt es sich um eine umstrittene Technologie, vor deren Einsatz ein breiter Prozess öffentlicher Beteiligung vonnöten wäre. Schließlich sind unterirdische Speicherplätze zu vertretbaren Kosten nur begrenzt vorhanden. Was aber die Strom- bzw. Energiegewinnung angeht, sind schon heute Erneuerbare Energien deutlich kostengünstiger als die Verbrennung von Kohle, Gas oder Öl mit anschließender CO2-Abscheidung.

Im Einzelnen:

Eine Nachrüstung des fossilen Kraftwerksparks mit CO2-Abscheideanlagen sowie der Aufbau einer CO2-Transport- und -Speicherinfrastruktur wäre wenig sinnvoll, weil:

  • Der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 bereits beschlossen ist,
  • der deutsche Anlagenbestand kohlegefeuerter Kraftwerke mit einem Altersdurchschnitt von ungefähr 33 Jahren (Markewitz et al. 2018) so veraltet ist, dass eine Nachrüstung auch ohne Kohleausstieg unrentabel wäre,
  • und selbst der Einsatz von CCS in Gaskraftwerken aufgrund des dort relativ niedrigen CO2-Gehalts im Rauchgas deutlich teurer und daher noch weniger wirtschaftlich ist (Kuckshinrich/Hake 2015).

Nach dem heutigen Sachstand wird CCS von der Öffentlichkeit nicht akzeptiert (BT-Ds 19/6891). Ausgerechnet die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die über die größten CO2-Speicherpotenziale verfügen, haben von einer Klausel im Kohlendioxidspeicherungsgesetz (KSpG) Gebrauch gemacht, der zufolge Länder die CO2-Speicherung auf ihrem Gebiet für unzulässig erklären können. Damit ist eine CO2-Speicherung in Deutschland in großem Maßstab aus rechtlichen Gründen derzeit kaum möglich.

Schließlich ist zu berücksichtigen, dass der Platz in geeigneten geologischen Formationen zur Speicherung von Kohlendioxid begrenzt ist. Viele Experten meinen, dieser solle besser aufgespart werden für residuale (nicht vermeidbare) Emissionen aus industriellen Prozessen (zum Beispiel Zementindustrie) und der Landwirtschaft. Möglicherweise wird es künftig auch notwendig sein, CO2 aus der Atmosphäre herauszufiltern (zum Beispiel durch großtechnische CO2-Filteranlagen oder das sogenannte BECCS, bei dem Biomasse angebaut, dann verbrannt und das dabei anfallende CO2 aufgefangen wird) und dieses Kohlendioxid unterirdisch einzulagern. Dies alles sind aber weniger Fragen für die Wissenschaft, sondern für Politik und Gesellschaft. Eine breite Debatte zur Speicherung tatsächlich nicht vermeidbarer Emissionen muss allerdings angestoßen werden. Eine Broschüre aus dem DFG-Schwerpunktprogramm „Climate Engineering“ (2019) liefert hierfür eine gute Orientierung.

Die CO2-Abscheidung und Verwendung des Kohlenstoffs, CCU (Carbon Capture and Utilization), ist auf absehbare Zeit unwirtschaftlich, weil extrem energieintensiv. Der Grund: CO2 ist chemisch eine sehr stabile Verbindung und kann nur mit viel Energie aufgespalten werden. Die Grundlagenforschung arbeitet an diesem Problem. Da die Klimaziele eine sofortige drastische Emissionsreduktion erfordern, ist CCU derzeit eher eine akademisch interessante Diskussion.

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