Kurs auf Klimaneutralität

Welche Maßnahmen brauchen die neuen Klimaziele?

Von den gesteigerten Ambitionen im Green Deal der EU über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bis hin zur Novellierung des Klimaschutzgesetzes: Fünf Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens sind nun ehrgeizigere Klimaziele definiert. Jetzt kommt es auf die Maßnahmen und Instrumente an. Expertinnen und Experten diskutierten beim DKK-Klima-Frühstück, was aus wissenschaftlicher Perspektive wichtig ist.

Drei Forschende präsentierten beim virtuellen Pressegespräch erste Einschätzungen zu den Auswirkungen der neuen Klimaziele und die dafür erforderlichen klimapolitischen Instrumente. Und zwar unter folgenden Fragestellungen: Wie wird sich das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 auf Verbraucher und Wirtschaft auswirken? Wie verhalten sich die verschärften Ziele zu den Klimazielen des Pariser Abkommens und der EU? Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen dem Europäischen Emissionshandel und den deutschen Klimaschutzmaßnahmen? Und welche Rolle werden der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel und der nationale CO2-Preis für Gebäude und Verkehr spielen?

Die deutschen Klimaziele im Kontext des Pariser Abkommens

  • Die neuen Klimaziele sind konsistent mit dem EU‐Ziel und dem Pariser Abkommen.
  • Das 1,5-Grad-Ziel erfordert einen schnellen Ausstieg aus fossilen Energien, insbesondere aus der Kohle.
  • CO2‐Neutralität bedeutet eine Stabilisierung der globalen Mitteltemperatur.
    THG‐Neutralität bedeutet eine Senkung der globalen Mitteltemperatur.
  • CO2‐Entnahme ist nötig für THG‐Neutralität, da insbesondere CH4 und N2O nicht vollständig vermieden werden können. Es muss aber nur ein kleiner Anteil verbleibender Restemissionen (circa 5 Prozent) ausgeglichen werden.
Expertin und Präsentation

Die Architektur der europäischen Klimapolitik – Ziele und Maßnahmen der EU und Deutschlands

  • Die koordinierte Umsetzung der Reduktionsziele im EU-ETS („Cap“ der Emissionen) und in den Nicht-ETS-Sektoren im Rahmen der Effort-Sharing-Regulation (ESR) muss die Gesamtreduktion von Treibhausgasen in Deutschland erbringen
  • Das langfristige Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 erfordert auch nach 2030 eine weitere Beschleunigung der Reduktion von Treibhausgas-Emissionen und verstärkte Senkenentwicklung
  • CO2-Preise beschleunigen die Anpassung von Produktion und Konsum bei gegebener Technologie und Infrastruktur
  • Die komplette Transformation zur Treibhausgas-Neutralität bis 2045 erfordert zusätzlich öffentliche und private Investitionen in Infrastruktur und Technologiewechsel schon heute
    - Infrastruktur: Erweiterung und Umbau der Stromnetze, Anpassung der Transportinfrastruktur (vom Radweg über Ladestationen bis zum Straßen- und Bahnnetz)
    - Neue (speicherbare) Energieträger wie Wasserstoff, bzw. wasserstoffhaltige Energieträger; CO2-freie Industrieprozesse (Stahl, Zement, etc.)
  • Die Konzentration auf die Umsetzung der Ziele bis 2030 ist wichtig …
  • … aber die Umsetzung der Entwicklung zur Treibhausgas-Neutralität muss schon heute und nicht erst nach 2030 in Angriff genommen werden.
Experte und Präsentation

Anschärfung der EU-Klimaziele für 2030 und ihre Bedeutung für Deutschland

Die durch den EU Green Deal notwendige Verknappung der EU-ETS-Mengen würde

  • ... die CO2-Preise im EU-ETS verdreifachen, auf etwa 130€/tCO2 in 2030
  • ... bis 2030 im Stromsektor ...
    - zu einem EU-weiten Ausstieg aus der Kohleverstromung führen (< 1 Prozent)
    - die Gasverstromung gegenüber 2015 um mehr als die Hälfte senken
    - den Anteil der Erneuerbaren Energien auf über 70 Prozent steigern
  • ... begrenzte ökonomische Auswirkung haben:
    - durchschnittlicher Strompreisanstieg von 0,4ct/kWh (in der Spitze 2ct/kWh)
    - die Gesamtsystemkosten um etwa 5 Prozent erhöhen
  • Notwendig dafür sind – über die im Juli definierte ETS-Verknappung hinaus –
    - stabile Erwartung hoher CO2-Preise im EU-ETS > Investitionssicherheit
    - Abschaffung bremsender Regulierung (keine 10H-Abstandsregel für Wind, etc.)
    - Erhöhung der Ausschreibungsmengen für PV und Wind
Experte und Präsentation

Das Pressegespräch des Deutschen Klima-Konsortiums wurde in Zusammenarbeit mit dem „Dialog zur Klimaökonomie“ im Netzwerk des BMBF-Förderschwerpunktes „Ökonomie des Klimawandels“ sowie mit dem BMBF-Kopernikus-Projekt Ariadne organisiert.

 

31. Mai 2021

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