Kolumne "Zur Sache"

Starkniederschläge und Dürren weltweit im Blick

Dr. Paul Becker, Deutscher Wetterdienst und Mitglied des DKK-Vorstands

Bei der Diskussion um den Klimawandel steht der neben der Temperatur vor allem der Niederschlag im Fokus. Denn: Zu wenig Wasser ist ein Problem - zu viel aber auch! Extreme Niederschläge haben oft verheerende Folgen. Ein spektakuläres Ereignis war 2013 in Deutschland das Juni-Hochwasser - ausgelöst durch ungewöhnlich lang anhaltende und starke Niederschläge. Es entstanden Schäden von rund 11 Milliarden Euro. 25 Menschen starben. Politik, Gesellschaft und Klimaforschung müssen sich deshalb mit diesem Aspekt der Klimaveränderung auseinandersetzen. Grundlage aller Entscheidungen sind neben Klimaszenarien vor allem Beobachtungsdaten. Niederschlagsdaten weltweit liefert der Deutsche Wetterdienst (DWD). Im Auftrag der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) betreiben wir seit 25 Jahren das Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie. Es erfasst die Niederschlagsmessungen von über 90 000 Messstationen rund um den Globus. Darüber hinaus werten wir die Niederschlagsbeobachtungen von Wettersatelliten seit Anfang 1988 aus. Damit liegen auch Daten für die Ozeane vor, wo es nur vereinzelt Bodenbeobachtungen durch Schiffsmeldungen gibt. Wir konnten nun einen globalen Datensatz erstellen, der Satellitenbeobachtungen und Daten von Bodenstationen zusammenführt. Damit lassen sich präzise Anfang und Ende von Extremereignissen wie länger andauerndem Starkregen oder Dürreperioden bestimmen, ihre Häufigkeiten auszählen und Trends für jede Saison wie Frühling oder Regenzeit erfassen. Zugleich helfen diese Daten, die Qualität der Niederschlagssimulation von Klimamodellen sowie der Dürreüberwachung und -vorhersage besser zu überprüfen.

Ein markantes Beispiel für extreme Wetterlagen mit enormem Gefahrenpotential sind die Hurrikane in der Karibik und über dem Süden der USA. Schäden verursachen sie durch enorme Windgeschwindigkeiten und Starkniederschläge, die zu schwerem Hochwasser führen können. Die Frage ist, ob solche Hurrikane künftig häufiger auftreten und mit noch intensiveren Niederschlägen verbunden sein könnten.

Dank unseres neuen Datensatzes können wir das jetzt gezielt untersuchen und Zusammenhänge belegen, die bisher nur vermutet wurden. So zeigt die Analyse der maximalen Niederschlagsintensität der Hurrikane seit 1988 einen klaren Zusammenhang zur Meeresoberflächentemperatur im tropischen Atlantik. Je höher diese ist, desto größer ist prinzipiell die maximale Niederschlagsintensität der Hurrikane. Die vorliegenden Daten der Meeresoberflächentemperatur in der Region seit 1988 zeigen zudem einen Trend zu höheren Wassertemperaturen in der Hurrikansaison. Passend dazu konnten wir eine tendenzielle Intensivierung der mit Hurrikanen verbundenen Niederschlagsextreme feststellen. Da die Klimaszenarien davon ausgehen, dass die Meerestemperatur der Region weiter steigt, müssen die Anrainer künftig mit noch stärkeren Niederschlägen bei Hurrikanen rechnen. Die Analyse der Hurrikane war ein erster Schritt. Wir werden künftig die Veränderung von Niederschlagsextremen und Dürren auch in anderen Regionen untersuchen. Ich bin aber überzeugt, dass schon die vorhandenen Erkenntnisse ausreichen, um weltweit mehr Engagement bei Klimaanpassung und Klimaschutz zu fordern.

Dr. Paul Becker
(22.04.2014)

Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes

Links zu Animationen

  • Täglicher Niederschlag Hurrikansaison 2005

http://www.youtube.com/watch?v=k7UdHgVJqfI&list=UUOQYlLhP9aXKrAecE7oNUAA&feature=share&index=4

  • Hurrikan Katrina 2005

http://www.youtube.com/watch?v=OPgRDJlFFxM&list=UUOQYlLhP9aXKrAecE7oNUAA&feature=share&index=5

  • Elbeflut 2002

http://www.youtube.com/watch?v=UFV4gMgvUtY&feature=share&list=UUOQYlLhP9aXKrAecE7oNUAA&index=6

 

 

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