Kolumne "Zur Sache"

Die Bedeutung regionaler Klimaforschung - fünf Jahre Helmholtz-Verbund Regionale Klimaänderungen REKLIM

Prof. Dr. Peter Lemke, Alfred-Wegener-Institut - Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

(c) Holger von Neuhoff

Nach den neuesten WMO-Statistiken von Anfang September 2014 lagen die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas auf ihrem höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Über die Bedeutung dieser Fakten sind sich die Klimaforscher weltweit einig: die Anreicherung der Treibhausgase in der Atmosphäre haben maßgeblich zur globalen Erwärmung von bisher 0.85°C seit Beginn der Industrialisierung beigetragen. Angesichts der Trägheit des Klimasystems wäre selbst bei einem sofortigen Stopp aller industriellen Emissionen mit einem weiteren Temperaturanstieg zu rechnen. Die Anpassung an den heute schon nicht mehr vermeidbaren Klimawandel wird also immer wichtiger.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich die globalen Veränderungen regional für Deutschland und Europa ausprägen werden. So war zum Beispiel das Jahr 2013 in Deutschland ein Jahr mit einer Serie von rekordverdächtigen Extremereignissen: Überflutung, Stürme, Hagel, die es zum teuersten Versicherungsjahr hat werden lassen. Nur mit gebündelten Kräften können derartige gesellschaftliche Herausforderungen bearbeitet und beantwortet werden.

Aus diesem Grunde hat sich 2009 der Helmholtz-Verbund Regionale Klimaänderungen (REKLIM) gegründet, an dem sich neun Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) und neun Universitäten beteiligen. REKLIM nutzt die in der HGF gebündelte Kompetenz für regionale Beobachtungs- und Prozessstudien und kombiniert diese mit Weiterentwicklungen von Modellen auf globaler bis hin zur regionalen Skala, um eine solide Basis für klimabezogene Entscheidungshilfen zu schaffen. Erarbeitet werden die verschiedenen Fragestellungen in insgesamt acht Themengebieten: die Massenbilanz der Eisschilde und ihren Effekt auf den Meeresspiegel, Klimaänderungen in der Arktis, den Einfluss der Landoberflächen, Atmosphärenchemie und Luftqualität, Extremereignisse sowie Untersuchungen zu schnellen Klimaänderungen in der Erdgeschichte. Jedes Themengebiet wird von Wissenschaftlern aus mindestens drei Institutionen des Verbundes gemeinsam bearbeitet.

Der REKLIM-Verbund arbeitet dabei bewusst nicht nur an der Verbesserung der naturwissenschaftlichen Grundlagen für regionalbezogene Klimaprojektionen, sondern auch an transdisziplinären Themen wie Klima und Gesundheit. Ein weiterer Schwerpunkt sind Risikoabschätzungen, wenn es um die Abwägung zwischen Maßnahmen für den Klimaschutz (Vermeidung) und der Anpassung an den Klimawandel geht. Diese große Themenvielfalt auf der regionalen Skala ist die Stärke des Verbundes. Dabei stellen die regionalen Klimabüros der Helmholtz-Gemeinschaft und das Climate Service Center 2.0 den Austausch zwischen REKLIM und Entscheidungsträgern sicher.

In diesen Tagen geht die erste Förderphase von REKLIM mit einer großen internationalen Abschlusskonferenz vom 6. - 9. Oktober im Umweltforum in Berlin zu Ende. In den ersten drei Tagen werden sich mehr als 300 Klimaforscherinnen und –forscher aus aller Welt treffen, um ihre Erkenntnisse vorzutragen und sich auszutauschen. Der letzte Tag, der 9. Oktober, sucht den Austausch mit der Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht der Dialog mit Vertretern aus Politik, Behörden, Verbänden, der Wirtschaft und der interessierten Öffentlichkeit. Anmeldung zum Tag der Öffentlichkeit sind noch bis zum 1. Oktober möglich: www.reklim-conference-2014.de

Weitere Informationen: www.reklim.de

Peter Lemke

(24.09.2014)

 

 

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