Kolumne "Zur Sache"

Was können wir aus der Hitze und Dürre dieses Sommers über die Folgen des Klimawandels lernen?

Prof. Dr. Reimund Schwarze, Klimaökonom am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung − UFZ

Die Hitzewelle dieses „Jahrhundertsommers“ ist vorbei und mit dem einsetzenden Regen gehen die Probleme der anhaltenden Dürre langsam zurück. Entwarnung also; nur ein schöner Sommer? Das wären nicht die richtigen Lehren aus dem Austrocknen der Flüsse und Landschaften in Mitteleuropa.

Wir erleben in diesem Jahr extreme Hitzetage und zugleich eine langanhaltende Dürre in Süd- und Mitteldeutschland. Hitze ist ein zwar extremes, aber kurzfristiges Phänomen, wie die Temperaturrekorde von über 40°C an mehreren Tagen im Juli in diesem Jahr zeigten. Trockenheit bzw. Dürre sind dagegen im Kern ein Wasserdefizit, das durch längerfristige Prozesse wie anhaltend geringe Niederschlagsmengen oder starke Windaustrocknung entsteht. Das langjährige Mittel der Bodenfeuchte ist hier die entscheidende Größe und nicht ein kurzer Zeitraum von sagen wir ein oder zwei Monaten. Das ist der Blickwinkel des Dürremonitors des UFZ, demzufolge wir auch jetzt, d.h. nach einsetzendem Regen, in vielen Regionen Deutschlands immer noch im Dürrebereich liegen. Mit dem Klimawandel sehen wir am UFZ insgesamt ein langfristiges Dürreproblem in Mittel- und Süddeutschland auf uns zukommen. Daher haben wir den Dürremonitor für Deutschland aufgesetzt.

Bei den ökonomischen Dürre- und Hitzefolgen des Klimawandels denken wir zumeist an die Länder des Südens, in Afrika oder Südeuropa. Aber die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass es auch in Mitteleuropa beträchtliche Kosten der Anpassung an den Klimawandel durch Hitze und Trockenheit gibt. Meistens denken wir an Ernteeinbußen in der Landwirtschaft oder Einbußen in der Flussschifffahrt. Wiederkehrende Hitze- und anhaltende Trockenperioden haben aber wesentlich größere ökonomische Folgen bei den Verkehrsinfrastrukturen sowie der Wasser- und Energieversorgung. Ein Problem sind zum Beispiel die Brücken, die unter dem Niedrigwasser leiden. Wenn die Fundamente nicht durchwässert sind, trocknen sie aus und verlieren ihre Standfestigkeit. Entsprechend müssen sie stärker ausgelegt werden. Ein anderes Beispiel sind die Löschwasserbecken zum Waldschutz in der Schweiz. Allein für die Auffüllung dieser Becken durch Transporthubschrauber mussten im Kanton Waadt, kaum größer als das Saarland, in zehn Tagen rund 500.000 Schweizer Franken aufgebracht werden. Solche infrastrukturellen Kosten wurden noch in keiner mir bekannten Klimafolgenstudie für unseren Raum berücksichtigt. Noch ein Beispiel: Die Stromversorgung in Polen. Dort mussten während der Hitzewelle dieses Sommers für fast zwei Wochen industrielle Großverbraucher vom Stromnetz genommen werden, weil die Kraftwerkskühlung wegen Niedrigwasser in den Flüssen nicht mehr funktionierte. In Deutschland, dem Land der Energiewende, kam es dagegen durch die starke Solareinstrahlung zu einem unvorhergesehenen Überangebot an Solarenergie und der Notwendigkeit, den Überschussstrom kurzfristig abzuspeichern. Das Unternehmen 50 Hertz musste an den Hitzetagen allein 2,5 Mio. Euro täglich aufbringen, um diese zusätzliche Energie loszuwerden bzw. in vorwiegend ausländischen Speichern unterzubringen. Hier sind dringend intelligente Netze und europäische Lösungen nötig. Auch solche Größen wurden in den Studien noch nicht betrachtet. Wir wissen also derzeit noch viel zu wenig über die Anpassungskosten an den Klimawandel durch Hitze und Dürre.

Mit der Klimaerwärmung werden Hitzeperioden und extreme Trockenheitssituation auch in Mitteleuropa zunehmen. Eine Hitzewelle wie diese wäre im letzten Jahrhundert für einen Mitteleuropäer ein „Einmal-im-Leben-Ereignis“ gewesen, jetzt erleben wir sie nahezu alle 15 Jahre. Und auch die Folgen der Hitze werden extremer. Denn die Infrastrukturen sind heute keineswegs weniger verletzlich als damals. Ganz im Gegenteil: Sie werden mit der zunehmenden Verstädterung, der Digitalisierung aller Lebensbereiche und neuen Herausforderungen wie der Energiewende immer empfindlicher. Der heiße und trockene Jahrhundertsommer gibt uns also, Stück für Stück, Einblicke in das, was durch den Klimawandel auf uns zukommt, und er zeigt uns, wie groß unsere Defizite bei der Anpassung sind.

Prof. Dr. Reimund Schwarze
(01.09.2015)

Klimaökonom am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung − UFZ

Bildnachweis: © Viadrina

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