Kolumne "Zur Sache"

Das Klimaabkommen von Paris: Der Rahmen steht – die konsequente Dekarbonisierung und eine faire internationale Lastenverteilung müssen folgen

Dr. Sonja Peterson, Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW)

Mit dem Abkommen von Paris steht nach jahrelangem Ringen ein wichtiger Rahmen für den internationalen Klimaschutz. Das Problem, sich auf eine konkrete internationale Lastenverteilung zu einigen, wurde elegant umgangen, indem sich jedes Land seine eigenen Ziele setzen kann. Auf der einen Seite der Medaille hat dieses Vorgehen eine Einigung wohl erst möglich gemacht, denn die Ausgangslage könnte schwieriger kaum sein: Zukünftige Klimaschäden und direkte und indirekte Vermeidungskosten sind sehr ungleich verteilt ebenso wie die Verfügbarkeit von Know-How und Ressourcen für den Klimaschutz. Vor allem bedeutet das nun völkerrechtlich verankerte Ziel, die Erderwärmung auf weniger als 2°C, verglichen mit der Zeit vor der Industrialisierung, zu begrenzen, dass der Ausstieg aus der Kohle de facto umgehend erfolgen müsste und ein Ausstieg aus Öl und Gas sehr bald. Dies trifft vor allem große Energieexporteure hart, die sich daher, wie Saudi-Arabien, gegen das Abkommen gesträubt haben.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass mit den bisher gemachten konkreten Zusagen die Temperatur immer noch um knapp 3°C ansteigen würde. Allein ein übergeordnetes Temperaturziel zu nennen, reicht nicht aus, um es auch zu erreichen. Die Vermeidung des Wortes „Dekarbonisierung“ im Abkommen zeigt, dass über die Abkehr von Kohle, Öl und Gas keine Einigung besteht. Immerhin sieht die Einigung aber vor, die individuellen Beiträge jedes Landes alle 5 Jahre zu überprüfen – wenn auch die Art des Monitoring- und Review-Prozesses vage bleibt.

Damit das Temperaturziel letztlich erreicht wird, bleibt die Frage nach der internationalen Lastenteilung so aktuell wie zuvor. Dass die Industrieländer vorangehen müssen, ist nun festgeschrieben. Festgehalten ist auch, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer ihre Anstrengungen erhöhen müssen. Mit Blick auf die Dekarbonisierung sollte zudem die vorgesehene Bereitstellung von mindestens 100 Mrd. Dollar pro Jahr ab 2020 durch die reichen Länder dafür genutzt werden, Entwicklungsländer in der Energiewende weg von der Kohle und hin zu Wind- und Solarenergie zu unterstützen.

Paris ist ein Signal für die Wirtschaft, dass das Zeitalter der fossilen Energien sich dem Ende zuneigt und Investitionen in die Entwicklung und den Ausbau erneuerbarer Energien der Weg der Zukunft sind. Dennoch wird ein wirksamer Klimaschutz nicht ohne Preise für die Emissionen von Treibhausgasen erreicht. Dies kommt im Paris-Abkommen nur verklausuliert vor als “co-operative approaches” und freiwillige “international transferred mitigation outcomes”.

Fazit: Die Einigung auf das 2-Grad-Ziel und ein Prozess zur Verschärfung und Überprüfung der individuellen Beiträge sind große und wichtige Schritte, die letztlich den gordischen Knoten auf dem Weg zu einem internationalen Abkommen durchtrennt haben. Jetzt gilt es, in dem gesetzten Rahmen konkrete Schritte zu gehen – allen voran eine breite Bepreisung von Emissionen und auch die Investitionen in erneuerbare Energien voranzutreiben.

Dr. Sonja Peterson

Wissenschaftliche Geschäftsführerin am Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW)
(15.12.2015)

Bildnachweis: © IfW/Christina Kloodt

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