Kolumne "Zur Sache"

Klimakommunikation for Future

Marie-Luise Beck © DKK, Stephan Röhl

Es ist Zeit für eine Schwerpunktverschiebung in der Klimakommunikation, meint die DKK-Geschäftsführerin Marie-Luise Beck. Was andere Expertinnen und Experten über die Entwicklung der Klimakommunikation denken, wird der kommende K3 Kongress zeigen, den das DKK in diesem Jahr konzipiert und organisiert.

Ein Editorial von Marie-Luise Beck, Deutsches Klima-Konsortium

Es dauert nicht mehr lange, bis sich rund 500 Personen zum zweiten K3 Kongress treffen, um über Klimakommunikation zu sprechen, zu streiten und sie auch ein bisschen neu zu erfinden. Das diesjährige Ereignis ist für das DKK besonders, da Planung, Konzeption und Steuerung bei uns liegen – natürlich wie gewohnt in enger Zusammenarbeit mit unseren Wissenschaftsverbands-Partnern in Österreich und der Schweiz sowie dem Team von klimafakten.de. Die Projektfinanzierung durch das Bundesumweltministerium hat uns wertvolle Spielräume für einen äußerst vielseitigen Kongress eröffnet. Außerdem konnten wir das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – auch DKK-Mitglied – als lokalen Gastgeber gewinnen. Vor Ort in Karlsruhe als auch hier in der Berliner Geschäftsstelle laufen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren, damit vom 24. bis 25. September die Klimakommunikation im Zentrum stehen kann.

Was niemand ahnen konnte: Noch bevor die Fördergelder genehmigt, der Programmbeirat bestellt und die wissenschaftliche Mitarbeiterin gefunden worden waren, vollzog sich vor unseren Augen eine Metamorphose der Aufmerksamkeit für den Klimawandel. Der extrem trockene und heiße Sommer 2018, der IPCC-Sonderbericht über 1,5 Grad globale Erwärmung, die Rede Greta Thunbergs auf der COP 24 in Kattowitz und der Beginn der Fridays-for-Future-Demonstrationen hatten das einstmalige „Verliererthema Klimawandel“ ganz nach oben auf die politische Agenda gespült.

Ganz anders der erste K3 Kongress in Salzburg: Er hatte fast zeitgleich mit der Bundestagswahl 2017 stattgefunden und die Grünen zur kleinsten Fraktion geschrumpft, während die klimaskeptische Partei AfD einen fulminanten Sieg davontrug und erstmals in den Bundestag einzog, was uns – ob unseres Entsetzens – immerhin viel Mitgefühl und gute Ratschläge von unseren Kolleginnen und Kollegen aus Österreich einbrachte. Das Bezeichnende für diesen Kongress war, dass er von einer enorm mitreißenden Aufbruchstimmung geprägt war, die uns positiv überraschte. Es war klar, dass hier etwas Neues begonnen hatte und dass es sich lohnen würde, weiterzumachen. Aber es war die Aufbruchstimmung einer fachlichen Gemeinschaft, die es schätzte, sich endlich besser kennenzulernen, sich auszutauschen, aber auch Mut zuzusprechen, um weiterzumachen in einer gegenüber den Klimarisiken überwiegend indifferenten Umgebung.

Nur zwei Jahre später sind die Klimarisiken und Lösungsmöglichkeiten unmittelbar ins Zentrum der medialen Debatten und politischen Auseinandersetzungen gerückt und eben diese Stimmung prägt ohne Zweifel auch den K3 Kongress 2019. Zu merken war dies bereits in der Planungsphase, als wir weit mehr Angebote und Einreichungen für den Kongress erhielten, als in das zweitägige Programm passten.

Ob das jetzt schon die Zeitenwende, der lang ersehnte Bewusstseinswandel ist oder nur ein Zeitfenster, ein Klima-Hype, der wieder verschwindet, sobald neue, besorgniserregendere Ereignisse Aufmerksamkeit verlangen – das wird die Zukunft zeigen. Die dynamische Vorbereitungsphase unseres Kongresses lehrt, wie schnell sich Stimmungen doch ändern können. Allerdings lässt die große Zahl etablierter Organisationen und bekannter Persönlichkeiten, die sich mit nicht gekanntem Einsatz und Ernsthaftigkeit diesem Thema zuwenden, auch hoffen.

Für die Klimakommunikation aber ist es jetzt Zeit für eine Schwerpunktverschiebung: weg von der Frage der Generierung von Aufmerksamkeit, Interesse und Verständnis für das existenzielle Thema und hin zur Kommunikation von Lösungen, zur Beteiligung an Debatten und zur Ermutigung zum Diskurs, zum Engagement – und zum Wandel. Dass diese Verschiebung schwierig ist (und nicht unbedingt von jedem gewollt) zeigt der neue Mix in den Medien – allen voran jener in den sozialen Medien. Neben aufschlussreichen Beiträgen zu ehedem Tabu-Themen wie dem  CO2-Preis, dem gegenwartsfixierten Freiheitsbegriff oder der schleppenden Verkehrswende wird gleichzeitig reflexhaft die alte Kommunikationsstrategie des Alarmismus bemüht, von der wir wissen, dass sie mehr schadet als nutzt.

Gut ist, dass diese neuen Themenfelder schon lange in den Wissenschafts- und Expertenzirkeln diskutiert werden, sodass es national wie international jede Menge Forschungsergebnisse dazu gibt. Jetzt besteht die Chance, dass die Antworten, Vorschläge und Lösungsoptionen – die schon da sind – den Weg aus der Forschungs- hinein die „Klimacommunity“ finden. Derzeit scheint die Forschung für eine klimaneutrale, ressourcenschonende und nachhaltige Gesellschaft regelrecht zu explodieren und es ist schwer auch nur im Ansatz den Überblick zu wahren. Ein Befund, der meiner Beobachtung nach noch nicht in der Politik, der Wirtschaft oder breiten Öffentlichkeit angekommen ist und viel proaktiver kommuniziert werden könnte.

Damit einher geht die Frage, wie sich Akteure aus Wissenschaft und Praxis strategisch und institutionell aufstellen sollten, um in den anstehenden Zeiten der Umbrüche Orientierungswissen zu liefern und Gehör zu finden. Spannend wird auch, wie diese Antworten und Ideen den Diskurs- und Praxistest bestehen. Der K3 Kongress 2019 bietet dafür zwei Tage lang einen einzigartigen Experimentierraum.

 

 

Zur Autorin
Marie-Luise Beck ist Geschäftsführerin des Deutschen Klima-Konsortiums, das in diesem Jahr den K3 Kongress konzipiert und koordiniert. In Karlsruhe wird sie die Veranstaltung eröffnen, gestaltet einen Workshop zum Thema negative Emissionen mit und bietet zusammen mit Mark Lawrence und Carolin Fraude vom IASS in der Morgeneinstimmung einen Erfahrungsraum, der an spirituelles Erleben anknüpft.

K3 Kongress

 

 

9. September 2019

Bildnachweis: DKK, Stephan Röhl


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