Kolumne "Zur Sache"

Klimakommunikation braucht Herz, Hand und Verstand

Stefanie Trümper © M. Brugger

Rund 500 Personen aus Wissenschaft und Praxis waren Ende September beim K3 Kongress dabei. Sie diskutierten neue Ideen für eine wirkungsvolle Kommunikation über den Klimawandel. Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Stefanie Trümper hat die Konzeption und Koordination des Kongresses geleitet und blickt zurück auf die großen und kleinen Momente.

Ein Editorial von Dr. Stefanie Trümper, Deutsches Klima-Konsortium

Knapp zehn Monate Vorbereitungszeit und zwei volle Veranstaltungstage liegen hinter uns. Der K3 Kongress zu Klimawandel, Kommunikation und Gesellschaft war ein intensives Erlebnis. Nicht zuletzt, weil die Diskussion über den Klimawandel in den Medien und in unserer Gesellschaft gerade mit einem enormen Tempo vorangeht. Das merkten wir auch in Karlsruhe. Der Kongress war eingerahmt von einer ernüchternden Sitzung des Klimakabinetts in Berlin, einem globalen Klimastreik mit Hundertausenden Menschen auf den Straßen und dem UN-Klimagipfel in New York. Diese Ereigniskonstellation ebenso wie die persistente politische und mediale Präsenz von Klimathemen im Allgemeinen, boten reichlich Gedanken-, Diskussions- aber auch Gefühlsstoff.

Doch welche Akteurinnen und Akteure trafen sich da in Karlsruhe überhaupt, um etwas über Klimakommunikation zu lernen und miteinander ins Gespräch zu kommen? So viel wissen wir: 29 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus der Wissenschaft. Die Praxis fächerte sich auf in die Bereiche Politik und öffentliche Verwaltung (19 Prozent), Zivilgesellschaft (19 Prozent), Medien (13 Prozent), Ausbildung (9 Prozent), Wirtschaft (9 Prozent) und Andere (2 Prozent). Vier von fünf Personen hatten angegeben, mit der Bahn oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, elf Prozent mit dem Rad, vier Prozent mit dem Auto. Sieben Personen wollten zu Fuß kommen und lediglich zwei mit dem Flugzeug. Für uns war das wichtig zu wissen, weil die CO2-Emissionen kompensiert werden. Es zeigt aber auch, dass eine Verkehrswende möglich ist und Wissen eben doch manchmal zum Handeln führt.

Auch digital konnten Interessierte den Kongress verfolgen: „Wow, was ein Lineup!“, twitterte Benjamin Sandler (@bsndlr) kurz nachdem ich im Newsletter den Livestream mit den Rednerinnen und Rednern der Keynotes und Forumsvorträge angekündigt hatte. Im Blog auf der Kongresswebsite und auf Instagram berichteten vier studentische Reporterinnen und Reporter über die Workshops, die meditative Morgeneinstimmung und Kommunikationsformen zum Mitmachen, die der Spielplatz bot. Zudem fassten die Teilnehmenden ihre Eindrücke auf Twitter pointiert zusammen – etwa Peter Wagner (@wagnerpeter) in einem 31-Tweets langen Thread.

Neben dieser Resonanz haben mich vor allem zwei Formate beeindruckt. Zum einen die Konzertintervention der Dresdner Sinfoniker im Zentrum für Kunst und Medien, die Ausdruck sinnlicher und emotionaler Klimakommunikation war. Posaune, Subkontrabassflöte, E-Cello, Keyboards und Stahl-Celli ließen das Publikum am Abend des ersten Kongresstages die planetaren Grenzen und die Erschöpfung unserer Erde fühlen. Zum anderen das ZukunftsLAB, wo eine ausgeprägte Hands-on-Mentalität zu spüren war. Parallel zum Kongressgeschehen arbeiteten hier mehr als 30 Erwachsene und Jugendliche – darunter Schülerinnen und Schüler von Fridays for Future – an Kommunikationsstrategien zu den Themen CO2-Preis, Fliegen sowie einem Zukunftsforum für Jugendliche. Eine der entwickelten Lösungen zündete sofort: „Unter 1000 mach ich's nicht“, eine Kampagnen-Idee zur Vermeidung von Inlandsflügen, der sich Kongressteilnehmende unter dem Hashtag #unter1000 direkt anschlossen. Nahezu zeitgleich lancierten die Scientists for Future in Berlin eine ähnliche Aktion, bei der Forschende ihren Verzicht auf Kurzstreckenflüge erklären können. Ob diese parallelen Entwicklungen beispielhaft sind für handlungswirksame Klimakommunikation, wird die Zukunft zeigen – mitreißend sind sie alle Male.

Hinter der Bühne des K3 Kongresses fand indes auch ganz praktische (Klima-)Kommunikation statt. So wurde beispielsweise Pflanzenmilch als vegane Alternative für den Kaffee vermisst, aber eben auch das nachmittägliche Teeritual, als uns das heiße Wasser kurzfristig ausgegangen war. Wie ordnen wir solch kleine Momente der Klimakommunikation ein? Folgt man Eckart von Hirschhausen, der in seiner Keynote für mehr Humor und eine neue Bildsprache plädierte, könnten sie vielleicht in einer kabarettistischen Darstellung münden. In der Zusammenschau mit der Keynote von Harald Welzer oder dem Forumsvortrag von Niko Paech hingegen, machen sie nachdenklich und lassen mich zu folgendem Fazit kommen: Ohne Genügsamkeit in puncto Konsum und ohne Flexibilisierung geliebter Gewohnheiten werden wir Klimaprobleme nicht lösen.

Der K3 Kongress 2019 sei mit „Herz, Hand und Verstand“ gestaltet worden. Dies ist nicht nur ein schönes Feedback, sondern kann auch als Aufforderung dienen, die Klimakommunikation neu auszutarieren. Dass wir hierfür weiterhin wissenschaftliche Fakten benötigen, ist unumstritten. Doch wir brauchen auch andere Formen, jenseits unseres Verstandes. Vor allem aber brauchen wir viel Geduld und Empathie. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis müssen einander noch genauer zuhören, damit die Kommunikation tatsächlich an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Politik, Medien und Öffentlichkeit stattfindet und in der Mitte der Gesellschaft wirksam wird.

 

Zur Autorin
Dr. Stefanie Trümper ist Kommunikationswissenschaftlerin und derzeit wissenschaftliche Projektmitarbeiterin beim Deutschen Klima-Konsortium (DKK) in Berlin. Dort leitet sie die Konzeption und Koordination des K3 Kongresses zu Klima, Kommunikation und Gesellschaft 2019. Zuvor forschte sie an der Technischen Universität Hamburg zu Innovationspotenzialen digitaler Hochschulbildung und war für die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg in der operativen Koordination der Hamburg Open Online University tätig. Ihre Dissertation zum Thema Nachhaltige Erinnerung im Journalismus schloss sie 2016 an der Universität Hamburg ab. Dort lehrte und forschte sie über sechs Jahre am Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft sowie im Klima-Exzellenzcluster CliSAP.

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10. Oktober 2019

Bildnachweis: Mareike Brugger

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