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K3 Klimakommunikations-Kongress – viel Kommunikation aber keine Zeitenwende in Sicht

Marie-Luise Beck © DKK, S. Röhl

Am 14. und 15. September fand der K3 Kongress zu Klimakommunikation zum dritten Mal statt, diesmal in Zürich. Das einzige Gipfeltreffen von Kommunikator:innen aus Wissenschaft und Praxis, im deutschsprachigen Raum hatte pandemiebedingt ein Jahr Verspätung. Auch ansonsten dominierten die Krisen der Gegenwart die Beiträge und Debatten. Und mit ihnen neue, teilweise überraschende, Erkenntnisse.

Ein Editorial von Marie-Luise Beck, Deutsches Klima-Konsortium

Klimakommunikation muss heute nicht mehr Überzeugungsarbeit leisten: dass der Kampf gegen den menschgemachten Klimawandel zu den großen Menschheitsaufgaben gehört, ist weithin akzeptiert. Alle großen Länder, Städte, selbst Unternehmen haben inzwischen Netto-Null-Ziele. Ökonomische Instrumente wie der CO2-Preis, kulturelle Veränderungen wie pflanzenbasierte Ernährung oder Erneuerbare Energien sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Das Problem: es ist zu langsam, es ist zu wenig. Auch der sechste Sachstandsbericht des IPCC analysiert, dass die notwendige Trendwende bei den CO2 Reduktionen bisher ausgeblieben ist; es zeigt sich allenfalls eine sehr zarte Bremsspur der Dekarbonisierung. Und jetzt auch noch der Ukraine Krieg. Als das Organisationsteam den Untertitel „Klimakommunikation in Krisenzeiten“ wählte, hatten wir eigentlich an die Pandemie gedacht. So kann es kommen.

Der Kongress selbst hatte wieder eine unglaublich große Themenvielfalt im Angebot. Dass wir diesmal auf dem Campus der Zürcher Hochschule der Künste untergekommen waren, hatte zahlreiche Beiträge aus Musik und Theater zur Folge. Neue Stakeholder wurden einbezogen. Ich denke da vor allem an die Wirtschaft, die erstmals ein eigenes Panel in dem Format Forum & Debatte erhielt, oder den Katastrophenschutz, der mit einem Workshop zu Gefahr und Risiko.

Bei aller Vielfalt ließen sich aber auch Schwerpunkte ausmachen. Zum einen, dass sich die Debatten von der Analyse des Klimawandels hin zu der Frage „Was ist zu tun?“ verschoben hat. Das lässt sich beispielsweise eindeutig an der Themenwahl der Medienberichterstattung zeigen, wie der Keynote Speaker Mike Schäfer betonte. Klimakommunikation muss sich also stärker auf Handlungs-, System- oder Zielwissen konzentrieren. Hier gibt es viel Nachholbedarf, auch in der Wissenschaft. Zum anderen, dass sich die Community davon verabschieden muss, dass es die eine ideale Kommunikation gäbe. In Zukunft muss Kommunikation zielgruppenspezifischer sein und sich idealerweise auf konkrete Maßnahmen, Politiken oder Ziele beziehen statt auf die Global-Aufforderung Emissionen zu reduzieren. Dies ist umso wichtiger als gleich von mehreren Wissenschaftler:innen eine „breite Mitte der Gesellschaft“ genannt wurde, die zwar unschlüssig bis skeptisch am Spielfeldrand stehe aber keinesfalls den Klimawandel anzweifle. Welche Anschlusspunkte, welche Brücken brauchen diese Menschen, um ins Handeln zu kommen?

Das bringt mich zu dem dritten Punkt, dass Klimakommunikation professioneller, dialogischer und emotionaler werden muss. Aber wie macht man das eigentlich? Und wo sind vielversprechende Ansätze? „Welche psychologischen, kognitiven, kommunikativen, sozialen und verhaltensökonomischen Prozesse bewegen Individuen und Gesellschaften zu lösungsorientiertem Klimaschutzhandeln?“, fragten das DKK und die Partnerorganisationen in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung und forderten (mehr) Wirksamkeitsanalysen.

Nochmals zurück zum Ukraine Krieg. Neben dem territorialen Angriff, der Tod und Leid in der Ukraine verursacht, tobt auch ein Krieg auf dem Gebiet der Energiesicherheit und – für die Länder des globalen Südens weitaus existenzieller – auf dem Feld der Ernährungssicherheit. Beides hängt auch mit Klimapolitik zusammen. Die EZB Direktorin Isabel Schnabel diagnostizierte schon im März in einer Rede, dass in unserer heutigen Inflation schon der Klimawandel stecke – und sprach von Climateflation. Dennoch erscheint die Klimapolitik in Deutschland eher verzagt.

Während der Angriffskrieg zu einer klaren Reaktion und Kommunikation seitens der Bundesregierung geführt hat – zusammen mit einer enormen Aufstockung des Verteidigungshaushaltes wurde die „Zeitenwende“ ausgerufen – steht beim Energiekrieg das Katastrophenmanagement der Gasmangellage im Vordergrund. Gleichzeitig wird regierungsseitig an der prinzipiellen Einhaltung der Klimaziele festgehalten, gleichzeitig ist nicht mit einer gesetzeskonformen Minderung – eher mit einer Erhöhung - der Emissionen in diesem Jahr zu rechnen und nochmal gleichzeitig fordern immer mehr Menschen Klimaziele hintan zu stellen, da man sie sich nicht mehr leisten könne. Kleine aber laute Gruppen versuchen gar die Gunst der Stunde zu nutzen, um dem alten Märchen vom Klimawandel, der nichts mit CO2 zu tun habe, wieder Leben einzuhauchen – Ausgang ungewiss. Eine klare Strategie, die das notwendige kurzfristige Katstrophenmanagement mit einer „Zeitenwende“ bei Mitigation und Adaption verbindet und das auch klar kommuniziert, steht noch aus – auf Bundes- sowie auf EU-Ebene.

Dies zu tun und hierzu eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln wäre aber notwendig. Auf dem Kongress gab es dazu jede Menge Ideen und Anregungen. Das könnte ein Anfang sein.

 

Zur Autorin

Marie-Luise Beck ist seit 2012 Geschäftsführerin des Deutschen Klima-Konsortiums. Projekte wie die Online-Vorlesung zum Klimawandel auf Deutsch und Englisch sowie der K3 Kongress zu Klimakommunikation entstanden unter ihrer Leitung. Auch beim diesjährigen Kongress agierte Frau Beck als Verteterin des DKK innerhalb des Veranstalterbündnis.

 

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25. Oktober 2022

Bildnachweis: Stefan Röhl

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