Klima-Fakt 16 | Starkregen und Trockenzeiten | Deutschland

Mehr Starkregen - und zugleich längere Trockenzeiten

Eine mögliche Folge des Klimawandels in Deutschland ist die Zunahme von Starkregenereignissen (Berg et al., 2013; Becker et al., 2016; Becker, 2019).Zumindest die Daten der flächendeckenden Regenradare des DWD liefern erste Indizien für eine Zunahme; weil diese Datenreihe aber noch zu kurz ist, kann die Zunahme noch nicht statistisch gesichert nachgewiesen werden. Eine Zunahme entspräche auch dem physikalischen Grundverständnis, wonach die erhöhte Wasserdampfaufnahme der Atmosphäre durch die globale Erwärmung konvektive Niederschläge verstärken könnte. Es gibt auch Hinweise, dass im Sommer die Zahl aufeinanderfolgender Trockentage zunehmen könnte. Beide Tendenzen hätten zur Folge, dass sich hydroklimatische Gefahren wie Dürren und Überschwemmungen erhöhten (Giorgi et al., 2011). Zumindest der Trend zu intensiveren Starkregenereignissen wird auch für die Zukunft prognostiziert (Giorgi et al. 2019). Laut Daten des DWD hat die Zahl von Tagen mit niedriger Bodenfeuchte seit 1961 bereits deutlich zugenommen; besonders betroffen von der zunehmenden Bodentrockenheit sind der Nordosten sowie das Rhein-Main-Gebiet (UBA 2019).

Auch wenn es bislang keinen eindeutigen Nachweis dafür gibt, dass verminderte Niederschläge über Deutschland mit dem anthropogenen Klimawandel zusammenhängen, ist es bemerkenswert, dass die trockenen Jahre 2018, 2019 und 2020 beispiellos für die vergangenen 250 Jahre waren. Seit 1766 hat es in Mitteleuropa keine dreijährige Sommer-Dürre dieses Ausmaßes gegeben; mehr als 50 Prozent des Ackerlandes waren davon betroffen (Hari et al. 2020). Diese extrem ungewöhnliche Trockenheit setzte sich in vielen Regionen auch 2020 fort. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig zeigt, dass der Gesamtboden in weiten Teilen Deutschlands das vierte Trockenjahr in Folge während der Vegetationsperiode erlebt (Dürrenmagnituden UFZ).

Zahlreiche Wirtschaftsbranchen bekommen die Auswirkungen von Dürren zu spüren, etwa Energieerzeugung und Industrie (de Brito, M.M., Kuhlicke, C., Marx, A. 2020). Während der extrem trockenen Jahre 2018 und 2019 sanken zum Beispiel die Wasserstände von Rhein und Elbe so stark, dass Binnenschiffe über Wochen oder gar Monate nur eingeschränkt oder gar nicht fahren konnten. Wegen der Verkehrseinschränkungen mussten am Rhein zum Beispiel Raffinerien und Chemiewerke ihre Produktion reduzieren (Deutschlandfunk 2019; ZEIT 2018; Helmholtz Klima Initiative). Weil es an Kühlwasser mangelte, wurden Kohle- und Atomkraftwerke zeitweise in ihrer Leistung gedrosselt (RP Online 2019). Die wirtschaftlichen Schäden für die betroffenen Branchen betrugen hunderte Millionen von Euro (bafg 2018).

Geht der Klimawandel ungebremst weiter, wird mit einer starken Risikozunahme in Bezug auf agrarische und hydrologische Dürre und deren Folgen gerechnet. Eine globale Erwärmung um weitere 3 °C würde zum Beispiel für Teile Südwestdeutschlands gegenüber dem Zeitraum 1971 bis 2000 eine Verdoppelung der Zeiten unter Dürre bedeuten, in Deutschland wären die Niedrigwasser flächendeckend stärker ausgeprägt (L. Samaniego et al., 2018; Marx, A. et al., 2018).

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