Climate Breakfast

08/22/13

Energiewende: Gemischte Bilanz – Politik muss endlich Potenziale heben

Eine der größten Herausforderungen der in wenigen Wochen zu wählenden neuen Bundesregierung wird - unabhängig von ihrer politischen Zusammensetzung - die Energiewende sein. Im Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nehmen die Spannungen zu. Besonders die Frage, ob die Energiewende ein Kostentreiber ist, bewegt die Öffentlichkeit. Anlass genug, um das dritte Klima-Frühstück am 22.08.13 diesem Thema zu widmen. Zwei Experten aus Mitgliedsinstitutionen des Verbandes legten Ihre Sicht dar zu der Frage: „Die deutsche Energiewende – Kostentreiber oder Klimaretter?“.

Prof. Dr. Erik Gawel, stellvertretender Leiter des Departments Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, widersprach der Bewertung, die Energiewende sei Kostentreiber. „Die Energiewende ist nicht allein an Kosten zu messen, die auf der Stromrechnung auftauchen, und auch nicht allein anhand heutiger verzerrter Marktpreise: Entscheidend ist der Pfadübergang auf ein neues System, das langfristig zu niedrigeren Preisen und einer sicheren Versorgung führt.“ Zwar seien die Preise für Strom derzeit deutlich gestiegen, so der Ökonom, aber weitaus weniger als beispielsweise für Heizöl. „Die immer wieder behauptete extreme Belastung – auch für ärmere Haushalte – lässt sich anhand der konkreten Zahlen nicht nachvollziehen.“ Der Ökonom wies auf vermeidbare Kostentreiber hin, wie beispielsweise die ungerechte Lastenverteilung zwischen Wirtschaft und Verbraucher oder den unkoordinierten Ausbau in den Bundesländern, der zu einem Überbietungswettbewerb zu Lasten Dritter geführt habe.

Dr. Brigitte Knopf stellvertretende Leiterin des Forschungsbereichs „Nachhaltige Lösungsstrategien“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sah das derzeitige Ergebnis der Energiewende zwiespältig. „Versteht man die Energiewende als Umstieg auf die Erneuerbaren Energien bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Kernkraft, ist sie bislang ein Erfolg. Die Produktion von Strom aus Sonne und Wind hat ein nie dagewesenes Maß erreicht.“ Für den Klimaschutz aber sei die Energiewende bisher keine Erfolgsstory denn „die Emissionen sind in Deutschland im letzten Jahr wieder angestiegen.“ Mehr Erfolg könne eine Europäisierung der Energiewende bringen. Durch kluge Koordinierung solle man die die Potenziale der unterschiedlichen Regionen nutzen. „Die Diskussion um die Gestaltung des europäischen Rahmens für 2030 wird derzeit allerdings von der deutschen Politik verschlafen“, kritisiert die Physikerin.

Demgegenüber sieht Erik Gawel die Forderung nach einer Europäisierung der Energiewende kritisch und verweist auf unterschiedliche Voraussetzungen in den einzelnen Ländern, wenn es um Klimaschutz, Technologiepolitik und Infrastruktur geht. Der Leipziger Wissenschaftler wünscht sich von der künftigen Bundesregierung mehr Souveränität und langfristiges Denken für diesen komplexen Transformationsprozess und rät: „Bei der Energiewende nachsteuern, wo nötig, aber sich nicht irre machen lassen.“

Beide Experten waren sich einig: nach der Wahl müsse das EEG rasch an die veränderten Bedingungen angepasst und auf eine Befähigung des Europäischen Emissionshandels hingearbeitet werden. Zwar sei der CO2 Preis nicht alles, aber „ohne CO2 Preis ist alles nichts“, resümierte Brigitte Knopf und forderte, dass sich Deutschland mehr in den Erarbeitungsprozess des Grünbuchs 2030 einbringt. Langfristig müssten die erneuerbaren Energien schrittweise in den Markt integriert werden. Hier sahen die Experten nicht nur Handlungsbedarf seitens der Politik, sondern auch noch weiteren Forschungsbedarf seitens der Wissenschaft.

Das DKK-Klima-Frühstück greift monatlich oder zweimonatlich virulente Themen auf und lädt hierzu Medienvertreter zu einem Hintergrundgespräch ein. Zwei ExpertInnen, aus den Mitgliedsinstitutionen des DKK beleuchten das Thema aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. 

Für Rückfragen: Marie-Luise Beck, Tel. 030-767718690.

Zusammenfassung (PDF)

Vortrag Dr. Brigitte Knopf (PDF)
Vortrag Prof Dr. Erik Gawel (PDF)

Als Videomitschnitt

DKK Hintergrund "Energiewende" (PDF)

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