Climate Breakfast

09/20/13

5. IPCC-Weltklimabericht - „Ein weltweit einzigartiges Verfahren"

Am 27. September fällt der Startschuss für die weltweit beachteten Veröffentlichungen des 5. Sachstandberichtes des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change – Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen): In Stockholm wird der erste Teilbericht „Naturwissenschaftliche Grundlagen“ der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Aus diesem Anlass lud das Deutsche Klima-Konsortium (DKK) im Rahmen des vierten DKK-Klima-Frühstücks zu einem Pre-Briefing. Es ging vor den versammelten FachjournalistInnen um die weltweit einzigartigen Grundprinzipien und Verfahren der Entstehung von IPCC-Berichten und ihre Bedeutung für Politik und Wissenschaft.

 

(c) Statement TV

Berthold Goeke, Leiter der Unterabteilung „Klimaschutz“ im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), machte deutlich, dass der Bericht fester Bezugspunkt bei der Ausrichtung der nationalen Klimaziele sei. Die wissenschaftlichen Ergebnisse würden von ausnahmslos allen 195 teilnehmenden Staaten anerkannt und fungierten regelmäßig als ,,Treiber" bei allen internationalen Klimaverhandlungen. 

Dr. Gisela Helbig, Leiterin des Referats „Globaler Wandel“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), bezeichnete die IPCC-Berichte als " verlässliche wissenschaftliche Grundlage zur  Klimaforschung". Regelmäßig finden die Ergebnisse der IPCC-Berichte Berücksichtigung bei den Überlegungen zur Forschungsförderung, insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit.

 

(c) Statement TV

Dr. Christiane Textor
, Leiterin der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle in Bonn, beschrieb das Grundprinzip des Berichtes als „objektive, transparente und umfassende Bewertung des aktuellen Kenntnisstands der Klimaforschung aus wissenschaftlicher Sicht“. Das Mantra des mehrjährigen Entstehungsprozesses laute: „policy relevant, but not policy prescriptive“. Die Wissenschaft liefere keine eindeutigen Empfehlungen an Entscheidungsträger, sondern beschreibe Szenarien und Möglichkeiten. Die Entscheidung für eine der Möglichkeiten bleibe Sache der Politik.

Dieses Prinzip unterstrich beim vierten DKK-Hintergrundgespräch auch Prof. Dr. Guy Brasseur, Direktor des Climate Service Centers am Helmholtz-Zentrum Geestacht und Leitautor für den vierten IPCC-Bericht: „Wir sind Wissenschaftler und nicht Politiker.“ Aus seiner Arbeit zum letzten Sachstandsbericht wisse er, dass die Verhandlungsrunden zwischen Wissenschaft und Politik für den sogenannten Summary für Policy Makers (Zusammenfassung für politische Akteure - SPM) den Text besser machten und Vertrauen und Akzeptanz erzeugten unter 195 doch sehr unterschiedlichen Staaten. Damit seien sie wichtig für die weltweite Legitimität und Autorität des Berichts.


In den Abstimmungs- und Redaktionsprozessen hätten aber nicht die Politiker das letzte Wort, so Christiane Textor, sondern die Autoren des IPCC-Berichts: ,,Am Ende entscheidet die Wissenschaft, ob ein Wort oder Satz seine Rechtfertigung in dem zugrundeliegenden Bericht hat und deshalb in der Zusammenfassung für politische Akteure auftauchen darf oder nicht.“

Guy Brasseur griff mit der sogenannten „Klimapause“ ein Phänomen auf, das im vierten Bericht von 2007 noch keine Rolle gespielt hatte, inzwischen aber Wissenschaft und Öffentlichkeit stark beschäftigt. Gemeint ist die Verlangsamung des Temperaturanstiegs in den vergangenen 15 Jahren. Der Spitzenforscher widersprach der These, dieses Phänomen stelle den anthropogenen Klimawandel in Frage. Andere Klimaindikatoren wie der kontinuierliche Rückgang des arktischen Meereises und der Anstieg des Meeresspiegels zeigten, dass sich der Klimawandel unvermindert fortsetze. Die Abschwächung des Temperaturanstiegs sei der natürlichen Klimavariabilität zuzurechnen, vermutlich sei insbesondere die “Pacific Decadal Oszillation” (PDO), eine Meeresströmung im Pazifik ursächlich für die derzeitige überproportionale Wärmeaufnahme des Ozeans. „Die Unsicherheiten sind groß. Wir haben noch immensen Forschungsbedarf, um dieses Phänomen besser zu verstehen.“

Mehr Informationen finden sich im Film zur Veranstaltung und in den Informationsmaterialien.


Das DKK-Klima-Frühstück greift in regelmäßigen Abständen aktuelle Themen auf und lädt hierzu Medienvertreter zu Hintergrundgesprächen ein. ExpertInnen aus den Mitgliedsinstitutionen des DKK beleuchten das Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven. Das nächste DKK-Klima-Frühstück findet statt am 7. November 2013 zu „Climate Engineering“.

Für Rückfragen: Marie-Luise Beck, DKK-Geschäftsführerin, Tel. (030) 76 77 18 690.


Zusammenfassung (PDF)
Vortrag Dr. Christiane Textor (PDF)
Vortrag Prof Dr. Guy P. Brasseur (PDF)

Als Videomitschnitt

Materialien de-IPCC:
Kompaktinfo AR5 (PDF)
Kompaktinfo IPCC (PDF)

Weitere Klimafrühstücke

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