Climate Breakfast

11/21/13

Climate Engineering - Wer darf am globalen Thermostat drehen?

Der Lohafex-Versuch, 2009, führte zu einem Aufschrei der Umweltschützer-Szene und der Medien. Erstmals sollte in einem groß angelegten Freilandversuch CO2 dem Ökosystem entzogen und auf dem Meeresgrund deponiert werden. Seither ist es still geworden um groß-skalige Manipulationsversuche des Klimas. Wenngleich dazu geforscht wird, wie auch erstmals im neuen Weltklimabericht, IPCC AR 5, dokumentiert. Vor allem in den angelsächsischen Ländern findet diese Forschung statt. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt das Sonderforschungsprogramm, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft hierzulande aufgelegt hat. Es soll die Risiken und die Chancen bewerten, bevor es sie überhaupt gibt.

Worum geht es und was weiß die Wissenschaft heute schon? – Dazu hatte das DKK zwei Experten aus seinem Verband am 7. November 2013 im Rahmen des DKK-Klimafrühstücks geladen: Prof. Dr. Thomas Leisner, Atmosphärenphysiker am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Prof. Dr. Gernot Klepper, Umweltökonom am Institut für Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel, stellten Thema und Probleme aus zwei verschiedenen Perspektiven vor und versuchten eine Antwort auf die Frage, ob solche Techniken eine Lösung für das Klimaproblem sein könnten oder einfach nur ein teurer Irrtum?

Professor Leisner präsentierte eine ganze Reihe von Ideen, wie man die Sonneneinstrahlung abschwächen könnte; das sog. Solar Radiation Management (SRM). Natürliches Vorbild ist der bekannte Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo im Jahr 1991. Das in die Stratosphäre geschleuderte Schwefeldioxid hatte zeitweilig zu einem globalen Temperaturrückgang von 0,5 Grad geführt. Von ganz anderer Art ist der Eingriff in das globale Klima durch Carbon Dioxide Removal (CDR), eine künstliche Entfernung des CO2 aus der Atmosphäre. Z. B. über „künstliche Bäume“ soll das Treibhausgas abgeschieden und unterirdisch gespeichert werden. Egal welch intelligente Technik man dazu entwickeln würde, der Prozess ist langwierig. „Man muss sich vorstellen, dass CDR als Umkehr-Prozess des Freisetzens von CO2 durch Verbrennung fossiler Energieträger genauso lange dauert, also Jahrzehnte.“, so der Physiker. Demgegenüber wirke SRM sofort. Allerdings müsse die Strahlungsabwehr permanent aufrechterhalten werden. Bricht der „Sonnenschirm“ zusammen, kehrt die Temperatur wieder in ihre Ausgangslage zurück.

Das brachte Professor Klepper zu einer Fülle von rechtlichen und ethischen Fragen, die allesamt derzeit unbeantwortet und mittels des derzeitigen Völkerrechts auch nicht regulierbar sind: Wer wägt ab, durch welche Maßnahme die globale Oberflächentemperatur abgesenkt werden solle? Wer schätzt die Kosten von Nutzen und Nebenwirkungen ab? Wer haftet? Der Umweltökonom kann in Climate Engineering (CE) nicht nur keine Alternative zu Klimaschutz erkennen, Modellierungen und Studien zeigten sogar klar, dass CE als Verhinderer von Klimaschutz wirke. „Wenn eine Gesellschaft annimmt, dass Climate Engineering funktionieren könnte, werden sofort alle Bemühungen um Klimaschutz vertagt oder eingestellt.“, erklärte Klepper.

Vortrag T. Leisner (PDF)
Vortrag G. Klepper (PDF)

Als Videomitschnitt mit den Kurzvorträgen der Experten

DKK-Hintergrund "Climate Engineering" (PDF)

Weitere Klimafrühstücke

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