COP30: Wir müssen reden – über fossile Brennstoffe

04.12.2025 | Zur Sache

Prof. Dr. Angela Oels | Bildnachweis: ZfK

Ein Editorial von Prof. Dr. Angela Oels, Zentrum für Klimaresilienz der Universität Augsburg

Die UN-Klimakonferenz COP30 in Belém begann mit einer unangenehmen Erkenntnis: Die in diesem Jahr vorgelegten nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) für 2035 stehen nicht im Einklang mit dem 1,5°C-Ziel des Pariser Abkommens, dessen 10jähriges Jubiläum in Belém gefeiert wurde.

Bis zum Beginn der COP30 hatten erst 115 Länder ihre seit Februar überfälligen nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) eingereicht, darunter am 5.November auch die EU. Entsprechend begann die COP30 mit einem Update des NDC-Syntheseberichts durch das UN-Klimasekretariat. In diesem wurde festgestellt, dass die bis zum 9.November eingereichten NDCs eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um immerhin minus 12% bis 2035 ergeben würden, jedoch nicht die erforderlichen minus 60% (gegenüber dem Basisjahr 2019). Die Umsetzung aller (bis zu UNEP’s Redaktionsschluss vorliegenden) NDCs würde laut UNEP Emissions Gap Report eine Welt mit +2,3°C ergeben, ohne die an Bedingungen geknüpften NDCs jedoch schon +2,5°C. Der Climate Action Tracker vom 18.November 2025 berücksichtigt auch die neuesten NDCs von 115 Ländern für 2035 und kommt mit 50%iger Wahrscheinlichkeit auf eine Erwärmung von 2,6°C. Unter Berücksichtigung der Netto-Klimaneutralitätsziele vieler Länder wäre sogar ein Pfad auf 2,2°C möglich. Alles jedoch jenseits von 1,5°C.

Diese „Ambitionslücke“ war Anlass dafür, wieder über die fossilen Brennstoffe zu reden. In Dubai wurde erstmals im Rahmen der Globalen Bestandsaufnahme (GST) festgehalten, dass eine Abkehr („transitioning away“) von den fossilen Brennstoffen im Energiesektor hin zu Klimaneutralität erforderlich sei. Dieses Ziel wurde ergänzt durch die globalen Ziele einer Verdreifachung der Kapazität der Erneuerbaren bis 2030 und einer Verdopplung der Energieeffizienz bis 2030. Letztes Jahr auf der COP29 in Baku scheiterten die Verhandelnden daran, diesen Dreiklang noch einmal zu bestätigen. Daher stand das Thema für Belém ganz oben auf der „Nicht-Tagesordnung“.

Um nicht wieder mit dem Thema zu scheitern, formierte sich auf der COP30 in Belém eine mutige Koalition aus Ländern unter der Führung Brasiliens, die Kolumbien, Kenia, Frankreich, Großbritannien, Dänemark und Deutschland umfasste und die schnell auf mehr als 82 Länder anwuchs. Es wurden Verhandlungen über einen konkreten Fahrplan zur Abkehr von den fossilen Brennstoffen gefordert, eine sog. „Roadmap to Transition away from Fossil Fuels (TAFF)”. Angesichts der geopolitischen Weltlage und der Blockadehaltung der Ölstaaten wurde diese Initiative am Ende der Konferenz in eine Presidency Roadmap umgewandelt, die außerhalb der offiziellen Verhandlungen auf einer Konferenz im April 2026 auf Einladung von Kolumbien und den Niederlanden  weiterverfolgt werden soll. Diese Koalition der Willigen ist eine der Überraschungen der COP30. Sie bietet Hoffnung, dass vielleicht knapp 90 Länder einen Anfang beim Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen als multilaterale Vereinbarung setzen werden – die meisten haben (wenn überhaupt) einen Ausstiegsplan für die Kohle.

Deutschland hat die TAFF Roadmap in Belém stark unterstützt. Dies steht leider im Widerspruch zu den politischen Beschlüssen zuhause. Eine vorab veröffentlichte Zahl aus der Studie Klimawende Deutschland der Universität Hamburg gibt die Summe der fossilen Subventionen in Deutschland mit 52,7 Mrd. Euro an. Anstatt diese abzubauen, plant die Bundesregierung unter Kanzler Merz, zum 1.Juli die Luftverkehrssteuer um rund 10% zu senken. Zugleich untergräbt die Bundesregierung das dringend nötige Verbrenner-Aus (für die Neuzulassung von Pkw ab 2035) der EU. Eine Abkehr von den fossilen Brennstoffen sieht anders aus!

Über die Autorin

Angela Oels ist Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Klimapolitik und Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg. Seit April 2024 ist sie Vorsitzende des Deutschen Klima-Konsortiums und seit März 2025 gewähltes Mitglied der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL).