DKK-Newsletter im September

15.09.2025 | News

Themenübersicht

1. Aktuelle Themen aus dem DKK
1.1 Neue Projektmanagerin in der DKK-Geschäftsstelle
1.2 Rückblick Parlamentarisches Frühstück
1.3 COA: Classic Open Air
1.4 Diskusionsveranstaltung zu Kipppunkten
1.5 Ankündigung COP-Briefing
2. DKK-Kolumne “Zur Sache”
3. Neues von den DKK-Mitgliedern
3.1 Ein Überblick über die Biosphärenforschung: C-PoB
3.2 GEOMAR-Metastudie zu Klimawandelszenarien
3.3 Neuartige Materialien für die Energiewende
3.4 Konfiguration von ICON: Nominierung für Gordon-Bell Preis
3.5 KI-Kompetenzen in neuem Innovatioszentrum des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
3.6 Einweihung der neuen Forschungsplattform AgraSim des Forschungszentrum Jülich
3.7 Briese-Preis 2024
3.8 Nationale CO2-Steuern dienen symbolischen Zielen
4. (Literatur-) Empfehlungen und Veranstaltungen
4.1 ExtremWetter Kongress
4.2 Die Woche der Klimaanpassung
4.3 Ausstellung: “Breaking the Surface. Frauen in der Meeresforschung”

1. Aktuelle Themen aus dem DKK

Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Dirk Messner.

1.1 Neue Projektmanagerin in der DKK-Geschäftsstelle

Seit Anfang September begrüßt die Geschäftsstelle Selina Graichen als neue Projektmanagerin. Selina hat im März diesen Jahres einen Master (M.Sc.) in Nachhaltigkeitswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg erworben. Sie interessiert sich besonders für die Dialogförderung im Bereich der Klimaforschung und wird die Geschäftsstelle des DKK in der Öffentlichkeitsarbeit sowie bei organisatorischen Aufgaben unterstützen. Wir freuen uns sehr über die Verstärkung und sagen herzlich willkommen!

 

1.2. Rückblick Parlamentarisches Frühstück

Das DKK veranstaltete am Donnerstag, den 22. Mai im Jakob-Kaiser-Haus ein Parlamentarisches Frühstück mit dem Titel „Klimapolitik im Überblick: Zentrale Herausforderungen zum Legislaturauftakt“. Nach einer Einführung durch DKK-Geschäftsführer Prof. Dr. Tilman Santarius, der die Veranstaltung auch moderierte, stellte zunächst Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts, aktuelle Emissionsdaten sowie Projektionen zur Erreichung der deutschen und europäischen Klimaziele vor. Im Anschluss stellte Prof. Dr. Doris Fuchs, wissenschaftliche Direktorin des RIFS Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ, diverse konkrete Maßnahmen zur Diskussion, insbesondere für die Sektoren Gebäude und Verkehr. Sie betonte dabei, dass politische Instrumente nicht nur wirksam, sondern auch zugänglich, legitim und fair sein müssen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. In dem folgenden, lebendigen Austausch wurde fraktions- und ressortübergreifend mit weiteren Mitgliedern des Bundestags diskutiert und der klimapolitische Start für die neue Legislaturperiode gesetzt.

Ausblick aus dem DKK-Büro.

1.3 COA: Classic Open Air

Nach zweijähriger Bauphase fand das Konzert Classic Open Air am 17. Juli 2025 erneut auf dem Gendarmenmarkt statt. Anlässlich dessen lud das gesamte Wissenschaftsforum zu einem Sommerempfang vor Ort ein. Auch das DKK öffnete die Bürotüren und nutzte die Veranstaltung, um sich mit Kooperationspartner:innen sowie Kolleg:innen aus der Wissenschaft auszutauschen, während die Teilnehmenden zugleich den Klängen des Konzerthausorchesters lauschen konnten.

1.4 Diskussionsveranstaltung zu Kipppunkten

Im Juni ist das Buch „Am Kipppunkt“ von Toralf Staud und Benjamin von Brackel erschienen. Die Autoren beleuchten differenziert und allgemeinverständlich verschiedene Kippelemente im Erd- und Klimasystem. Dabei widmen sie ein Kapitel auch der wissenschaftlichen Kipppunkte-Diskussion. Das DKK nahm die Buchveröffentlichung zum Anlass, diese Thematik am 09. September um 12:30 Uhr in einem internen Online-Austausch aufzugreifen, um gemeinsam die folgenden Fragen zu diskutieren: Handelt es sich hierbei um eine polarisierte wissenschaftliche Debatte? Wie könnte eine Kommunikation des Kipppunkte-Konzepts aussehen, die auch unklare Evidenzlagen und seine Wirkung in der allgemeinen Öffentlichkeit angemessen berücksichtigt?

Nach Inputs der beiden Autoren bereicherten zwei Wissenschaftler:innen die Runde: Während Prof. Dr. Gerrit Lohmann vom Alfred-Wegener-Institut eine kritische Perspektive einnahm, vertrat Dr. Levke Caesar vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung eine chancen- und wirkungsorientierte Sicht auf das Kipppunkte-Konzept.

Abschließend bestand Konsens darüber, dass die Verwendung des Begriffs „Kipppunkte“ keinesfalls zu einem Fatalismus oder Ohnmachtsgefühl führen sollte, sondern stets mit einem Vorsorgenarrativ verknüpft werden muss, das zum Handeln ermutigt. Ergänzt wurde, dass es darüber hinaus zielführend ist, nach außen als wissenschaftliche Gemeinschaft die großen Übereinstimmungen bezüglich das Konzepts der Kipppunkte zu betonnen. Am Ende wurde die Frage erörtert, was wissenschaftliche Einrichtungen benötigen, um ihre Forschungsinhalte kommunikationspsychologisch sachlich, wirksam und verantwortungsvoll nach außen zu tragen.

 

1.5 Ankündigung COP Briefing

Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und der Stiftung KlimaWirtschaft veranstaltet das DKK auf dieses Jahr wieder ein Briefing im Vorfeld der 30. UN-Klimakonferenz. Im Mittelpunkt dieser großen Konferenz stehen zentrale klimapolitische Themen wie die national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs) und Fragen zur Ambitionssteigerung bei der Emissionsminderung, die Rolle von Biodiversität und Waldschutz für den internationalen Klimaschutz, Aspekte der Klimafinanzierung (einschließlich der „Baku to Belém Roadmap“) sowie aktuelle Herausforderung der Klimawissenschaft und des Weltklimarats (IPCC) vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Entwicklungen.

2. DKK-Kolumne “Zur Sache”

Prof. Dr.-Ing. Birgit Milius © David Ausserhofer

In dem neuesten Editorial gibt Prof. Dr.-Ing. Birgit Milius, Leiterin des Fachgebiets Bahnbetrieb und Infrastruktur der TU Berlin, einen kurzen Einblick inwiefern eine lebenswerte Stadt der Zukunft gestaltet werden müsste, um den heißen Sommer und die damit verbundene aufstauende Hitze in Städten zu mindern. Besonders betont Sie dabei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit für praktisch relevante Lösungen, die umgesetzt und ausprobiert werden, um die Infrastruktur in vielen Bereichen nicht an Ihre Belastungsgrenze zu bringen oder gar zu überschreiten.

3. Neues von den DKK-Mitgliedern

Logo © C-PoB

3.1 Ein Überblick über die Biosphärenforschung: C-PoB

Der Bericht C-PoB („Current Perspectives on Biosphere“) gibt einen Überblick über die Biosphärenforschung bis zum Jahr 2024. Es werden acht Handlungsfelder vorgestellt, die auf verschiedenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen basieren.

  • Innovative und inklusive Ansätze eröffnen neue Chancen zum Schutz bedrohter Küstenlebensräume
  • Der Schutz der Wälder verhindert eine Verschärfung künftiger Dürren und hält regionale und saisonale Regenmuster stabil
  • Verzögertes Einschreiten gegen den Klimawandel wird wahrscheinlich das Brandrisiko in vielen Regionen erhöhen
  • Risiken bei der Umsetzung der naturbasierten Kohlendioxidentfernung (CDR)
  • Mindestens 20-25 % (halb-)natürlicher Lebensraum pro Quadratkilometer in vom Menschen veränderten Landschaften sind für die Erhaltung der Beiträge der Natur für den Menschen erforderlich
  • Es sind umfassende politische Maßnahmenpakete zu verknüpfen, um die Ursachen der Verschlechterung von Ökosystemen zu bekämpfen und gerechte Beziehungen zwischen Mensch und Natur wiederherzustellen
  • Der sozioökonomische Wert von Ökosystemen wird mit wachsendem Einkommen und zunehmender Knappheit der Ökosysteme
  • Die Prinzipien der Convivial Conservation

 

Der C-PoB Bericht enstand als Zusammenarbeit diverser Klimaforschungsinstitute, wobei darunter Vertreter:innen von Mitgliedsinstitutionen des DKK wie beispielsweise Prof. Dr. Thomas Hickler, Dr. Jessica Hetzer und Dr. Matthew Forrest vom Senckenberg (SBiK-F) und Prof. Dr. Markus Reichstein vom Max Planck Institut Jena (MPI-BGC) sind.

 

Fluss von Kohlendioxid zwischen Atmosphäre und Land-/Ozeanoberfläche am 25. Januar 2020 um 12 Uhr UTC, simuliert mit ICON. Grün bedeutet Aufnahme von Kohlenstoff, lila steht dafür, dass Kohlenstoff an die Atmosphäre abgegeben wird. © MPI-M

3.2 GEOMAR-Metastudie zu Klimawandelszenarien

Im Mittelmeer steigen die Temperaturen derzeit auf Rekordwerte. Mit einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 26,9°C war der Juli 2025, laut dem Erdbeobachtungsdienst Copernicus, der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen für das Mittelmeer. Die Erwärmung durch den Klimawandel gilt – neben Stressoren wie Überfischung, Verschmutzung oder Habitatzerstörung – als Hauptfaktor für die Gefährdung von Lebensräumen im Meer und an den Küsten. Zusätzlich sind für mehrere Ökosysteme wissenschaftliche Studien zur Risikobewertung noch begrenzt. So gibt es nur wenige Prognosen für Tiefsee-Lebensräume, Salzwiesen, Makroalgen und Megafauna. Auch geografisch bestehen erhebliche Lücken, insbesondere im südlichen und östlichen Mittelmeer. Das kann zu einer möglichen Unterschätzung der Risiken in den unterrepräsentierten Ländern führen.

Eine aktuelle Studie unter Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel hat untersucht, wie stark das Meeres- und Küstenökosysteme im Mittelmeer schon bei weiterer, vergleichsweise geringer, Erwärmung gefährdet sind. Dafür wurden 131 wissenschaftliche Studien im Rahmen einer Meta-Analyse ausgewertet. Die Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen.

 

3.3 Neuartige Materialien für die Energiewende

 

Im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) untersuchte die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM), welche fortschrittlichen Materialien (Advanced Materials, AdMa) schon heute die Energiewende unterstützen und welche künftig zum Einsatz kommen könnten. Unter Advanced Materials werden dabei Materialien verstanden, die zielgerichtet auf bestimmte Strukturen oder Materialeigenschaften für ihren Anwendungsbereich hin konzipiert wurden.

Im Rahmen einer Literaturrecherche wurden Materialien ermittelt, die heute in Energiegewinnung, -speicherung und -einsparung eingesetzt oder dafür erprobt werden. Zehn Materialien, die als besonders relevant eingestuft wurden, werden in dem von der UBA veröffentlichten Bericht „Advanced materials for the energy transition“ von Dr. Xenia Knigge und Dr. Jörg Radnik (BAM) näher vorgestellt und geben einen ersten Überblick. Es zeigt sich, dass Advanced Materials ein enormes Potenzial für die Verwirklichung der Energiewende bieten. Einige werden bereits eingesetzt, andere noch erforscht und schon heute zeigt sich im Labormaßstab, dass sich beste Wärmedämmung, höchste Wirkungsgrade, enorme Leitfähigkeit und Synergieeffekte erzielen lassen, wenn bestimmte neuartige Materialien miteinander kombiniert werden. Zugleich sind jedoch nur wenige Informationen darüber verfügbar, welche Risiken die Materialien für die menschliche Gesundheit und die Umwelt bergen. Zum Teil erfordert ihre Anwendung den Einsatz bekannter Schadstoffe oder ihre Herstellung ist enorm Rohstoff- und Energie-intensiv. So werden neben den Vorteilen, die sie für die Energiewende haben, auch die Herausforderungen beleuchtet, die sie für den Umgang mit Ressourcen oder den Schutz von Mensch und Umwelt darstellen können.

 

3.4 Konfiguration von ICON: Nominierung für Gordon-Bell-Preis

Das gesamte Erdsystem inklusive Energiehaushalt, Wasser- und Kohlenstoffkreislauf mit einer Auflösung von einem Kilometer über mehrere Jahrzehnte zu simulieren, galt bis vor kurzem als unmöglich: Zu groß sei die Zahl der relevanten Prozesse, zu komplex ihr Zusammenspiel, zu lang die Zeitskalen, zu hoch demnach der Rechenaufwand. Ein vom Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M, DKK-Mitglied) und dem Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ, DKK-Mitglied) geleitetes Team hat eine neue Konfiguration von ICON entwickelt, die dieser Aufgabe gewachsen ist. Indem es diese Konfiguration auf den neuesten Hochleistungsrechnern laufen ließ, konnte das Team nachweisen, dass Simulationen des Erdsystems mit einer Auflösung von 1,25 Kilometern tatsächlich möglich sind – inklusive des gesamten Kohlenstoffkreislaufs und mit einem Rechendurchsatz, der die Untersuchung des Klimawandels über mehrere Jahrzehnte ermöglicht. Für diese Leistung wurden sie nun für den renommierten Gordon-Bell-Preis für Klimamodellierung nominiert.

Diese ICON-Konfiguration wird zurzeit für den Hochleistungsrechner JUPITER am Forschungszentrum Jülich vorbereitet und eine der ersten Anwendungen auf dem mittlerweile größten Supercomputer Europas sein.

Die Pflanzenkammer. Die Spezialbeleuchtung hilft bei der Simulation unterschiedlicher Klimaszenarien. © Forschungszentrum Jülich / Ralf-Uwe Limbach

3.5 KI-Kompetenzen in neuem Innovationszentrum des Deutschen Wetterdienstes (DWD)

Mit der Eröffnung des KI-Zentrums setzt der Deutsche Wetterdienst (DWD, DKK-Mitglied) einen bedeutenden Meilenstein in der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) für Wetter und Klima. Das neue Zentrum verfolgt das Ziel, Zusammenarbeit und Innovation zu fördern, indem es eine Plattform für verschiedene KI-Projekte und einen ganzheitlichen Ansatz für deren Umsetzung im DWD bietet. Neben der Förderung neuer Projekte liegt ein weiteres Augenmerk auf der Fort- und Weiterbildung der Mitarbeitenden des DWD in Themen rund um KI. Eine Vielzahl von Schulungen, Austauschformaten und Kommunikationsmaßnahmen soll einen soliden Wissensaufbau für alle ermöglichen.

 

3.6 Einweihung der neuen Forschungsplattform AgraSim des Forschungszentrum Jülich

Im Rahmen des Tages der Neugier am 07.September 2025 wurde die neue Forschungsplattform AgraSim am Forschungszentrum Jülich offiziell eingeweiht. Die Forschungsplattform steht im Institut für Bio- und Geowissenschaften – Agrosphäre (IBG-3) und bietet den Forschenden die Möglichkeit Auswirkungen zukünftiger Klima- und Umweltbedingungen auf Agrarökosysteme zu erforschen und Maßnahmen zur Optimierung globaler Ökosystem- und Klimamodelle ableiten zu können. Der zentrale Bestandteil der experimentellen Infrastruktur sind sechs baugleiche Einheiten, sogenannte Mesokosmen, in denen alle wichtigen Prozesse in von der Außenwelt abgeschlossenen Agrarökosystemen unter kontrollierten Bedingungen simuliert werden. Die erhobenen Echtzeitdaten – etwa zu Gasaustausch, Photosynthese oder Wassernutzungseffizienz – können dann direkt in numerische Simulationen einfließen, wobei es das Ziel ist, robuste Strategien für eine nachhaltige und resiliente Landwirtschaft zu entwickeln.

3.7 Briese Preis 2024

Der BRIESE-Preis für Meeresforschung, der vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW, DKK-Mitglied) wissenschaftlich betreut wird, geht in diesem Jahr an zwei Forschende. Dr. Tonke Strack vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften in Bremen, und Dr. Isabel Goßmann, während der Promotion am Oldenburger ICBM – Institut für Chemie und Biologie des Meeres, teilen sich die Auszeichnung für ihre herausragenden Dissertationen. Die Ergebnisse von Dr. Tonke Stracks Arbeit zeigen asymmetrische, polwärts gerichtete Verlagerungen der Verbreitungsgebiete und das Auftreten neuer Planktongemeinschaften, insbesondere zu Beginn der heutigen Warmzeit. Auffällig ist, dass diese Veränderungen nicht allein durch Temperaturentwicklungen erklärbar sind – auch ökologische Wechselwirkungen spielen eine wesentliche Rolle. Die Arbeit stellt damit etablierte Annahmen in paläoökologisch basierten Klimafolgenmodellen infrage und unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Validierung von Temperaturrekonstruktionen. Dr. Isabel Goßman untersuchte in Ihrer Dissertation gezielt die Verteilung von Mikroplastik –Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 1 Millimeter – in nordeuropäischen Gewässern und in der Atmosphäre. Mit Ihrer Arbeit konnte Goßmann viele neue Erkenntnisse über die Quellen, Transportwege und das Verhalten von Mikroplastik in der Umwelt entschlüsseln und trägt so wesentlich zum Verständnis seines Weges und Verbleib in marinen Ökosystemen bei.

 

3.8 Nationale CO2-Steuern dienen symbolischen Zielen

Forschende der Universität Potsdam, des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit am GFZ Potsdam (RIFS, DKK-Mitglied) und der Universität Erlangen (FAU Erlangen) haben untersucht, mit welcher politischen Begründung niedrige CO2-Steuern eingeführt worden sind und wie sich jede der 19 Steuern über die Zeit entwickelt hat. Die Wissenschaftler:innen haben dafür Gesetzesentwürfe und -begründungen ausgewertet, aber auch Sekundärquellen wissenschaftlicher Institutionen und internationaler Organisationen analysiert. Dabei konnten drei Gruppen identifiziert werden wobei die weitaus größte Gruppe mit 13 von 19 Ländern mit der Einführung einer niedrigen CO2-Steuer nicht primär klimabezogene Ziele verfolgten. Sie nutzten die Steuereinnahmen, um Mittel für spezifische, nicht klimabezogene Ausgaben zu generieren – zum Beispiel in Finnland zur Senkung der Einkommenssteuer oder in Island und Irland zur allgemeinen Steigerung der Staatseinnahmen. Die Hälfte der untersuchten Länder hat die CO2-Steuer im Laufe der Zeit zwar deutlich erhöht und ihren Zweck zugleich stärker auf Emissionssenkung ausgerichtet. Jedoch hat der Prozess in den meisten Fällen lange gedauert, oft über zehn Jahre. Damit resümieren die Wissenschaftler:innen, dass Klimapolitiken nicht nach ihrem Etikett bewertet werden sollten, sondern nach ihrer Ausgestaltung, ihrer Zielsetzung und ihrer tatsächlichen Wirkung auf die Transformation unserer Wirtschaftssysteme hin zu Nullemissionen.

4. (Literatur)-Empfehlungen und Veranstaltungen

Plakat der Sonderausstellung.

4.1 ExtremWetter Kongress

Vom 24.-25.September findet in Hamburg erneut der ExtremWetterKongress (EWK) statt. Es ist ein zentrales Forum zum Austausch zu Extremwetter, Klimafolgen und Anpassungsstrategien im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr nimmt unser Geschäftsführer Prof. Dr. Tilman Santarius beim Forum Klimakommunikation „Wie Menschen erreicht werden: Die Psychologie der Klimakommunikation“ als Panelist teil. Zeitgleich zum EWK findet die zweite Deutsche KlimaManagement Tagung (KMT) und die internationale Systemic risk conference (SRC) statt.

 

4.2 Die Woche der Klimaanpassung

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) hat das Zentrum Klimaanpassung (ZKA) die Woche der Klimaanpassung (WdKA) ins Leben gerufen. Sie wird vom 15.-19.September zum vierten Mal stattfinden. Es werden bundesweit zahlreiche diverse Veranstaltungen angeboten.

 

4.3 Ausstellung: „Breaking the Surface. Frauen in der Meeresforschung“

Die neue Sonderausstellung „Breaking the Surface. Frauen in der Meeresforschung“ im Internationalen Maritimen Museum in der Hamburger HafenCity wurde stellt elf deutsche Forscherinnen der Gegenwart in den Fokus. Sie widmet sich dem Phänomen, dass Frauen in diesem Wissenschaftsbereich lange marginalisiert wurden und sich ihren Platz erkämpfen mussten. Prof. Corinna Schrum, Leiterin des Instituts für Küstensysteme – Analyse und Modellierung am Helmholtz-Zentrum Hereon (DKK-Mitglied), ist eine der in der Ausstellung porträtierten Frauen. Die Ausstellung ist seit Ende Juli bis Ende des Jahres geöffnet.