Kommunen stärken heißt Zukunft sichern

26.02.2026 | Zur Sache

Dr. Hans Schipper | Bildnachweis: Hans Schipper

Ein Editorial von Dr. Hans Schipper vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Kommunen stehen derzeit stark unter Druck. Das zeigt auch die Konferenz „Zukunft vor Ort gestalten: Kommunen zwischen Klimaschutz und Finanzdruck“ des Klimabündnis in Berlin. Die dortigen Podiumsdiskussionen und Workshops machen deutlich, dass der Handlungsbedarf beim Klimaschutz und bei der Anpassung an Klimafolgen wächst, während kommunale Haushalte zunehmend an ihre Grenzen geraten. Diese Spannungslage erlebe ich auch in meinen Gesprächen mit Mitarbeitenden aus Städten und Gemeinden. Häufig höre ich denselben Satz: „Wir wollen beim Klimaschutz vorankommen, aber uns fehlt die Zeit, die Orientierung und manchmal auch das Personal.“ Genau daran zeigt sich, wie entscheidend die kommunale Ebene für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands ist. Denn kaum ein Ort prägt unser tägliches Leben so stark wie die Kommune.

Ob Energieversorgung, Mobilität, Grünflächen, Abfallwirtschaft oder Stadtplanung: Jeden Tag werden vor Ort Entscheidungen getroffen, die unsere Lebensqualität von morgen bestimmen. Gleichzeitig wird immer deutlicher, wie spürbar die Folgen des Klimawandels inzwischen in Deutschland sind. Dazu gehören extreme Temperaturen, Hitzeperioden und Phasen intensiver Trockenheit. Wir wissen daher, dass wir jetzt handeln müssen. Die zentrale Herausforderung liegt jedoch darin, im komplexen Zusammenspiel aus gesetzlichen Anforderungen, Förderrichtlinien, politischen Debatten und Erwartungen der Bevölkerung die richtigen Schritte zu identifizieren. Viele Kommunen arbeiten dabei bereits heute unter sehr hohen Belastungen.

Hier setzt unser Projekt KommMa des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt an. Wir entwickeln eine Software, die Kommunen und kommunale Unternehmen bei der Erstellung einer individuellen Klimaschutzstrategie unterstützt. Die Lösung spart Zeit, reduziert Kosten und sorgt für Transparenz. Sie basiert auf konkreten Anforderungen aus dem kommunalen Alltag und hilft dabei, Klimaschutzziele möglichst effizient und wirksam zu erreichen.

Diese Unterstützung ist dringend erforderlich. Die Bundesregierung betont, dass Deutschland das Klimaziel für das Jahr 2030 nur erreichen kann, wenn jetzt entschlossen gehandelt wird. Das Umweltbundesamt unterstreicht zudem, dass Kommunen zentrale Orte der Transformation sind. Konzepte wie die Schwammstadt sollen Städte klimaresilienter und lebenswerter machen. Gleichzeitig stärkt die Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative das Klimaschutzmanagement vor Ort. Dadurch entstehen zusätzliche Handlungsspielräume und neue Maßnahmen können angestoßen werden.

Es wird also deutlich, dass Klimaschutz nicht ausschließlich ein technisches Großprojekt ist. Er ist immer auch ein organisatorisches und kommunikatives Vorhaben. Wenn politische Entscheidungsträger den Nutzen von Maßnahmen erkennen, wenn Bürgerinnen und Bürger verstehen, warum Veränderungen notwendig sind, und wenn Verwaltungen die passenden Werkzeuge für die Umsetzung haben, wird Klimaschutz greifbar und politisch tragfähig.

Wie wirkungsvoll das Zusammenspiel von wissenschaftlichem Wissen, lokaler Beteiligung und praktischen Hilfsmitteln sein kann, zeigt das Projekt PROLOK, gefördert vom Innovationscampus Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg. Gemeinsam mit der Universität Freiburg und mehreren Praxispartnern entwickeln wir darin ein Prozessschema, das kleinen Kommunen trotz begrenzter Ressourcen bei der Planung von Hitzeschutzmaßnahmen hilft. In Ihringen am Kaiserstuhl wurden dafür Workshops durchgeführt, Klimadaten analysiert und Leitfäden erstellt. Aktuell übertragen wir das Konzept auf weitere Kommunen, um eine breitere Wirkung zu erzielen.

Ob Klimaschutz oder Anpassung an die Folgen des Klimawandels: Am Ende entscheidet jede Kommune selbst, ob aus Wissen konkrete Veränderung wird. Doch die Voraussetzungen dafür waren selten so gut wie heute. Es gibt Förderprogramme, wissenschaftliche Impulse und moderne Werkzeuge. Projekte wie KommMa und PROLOK setzen genau dort an, wo Veränderung konkret wird.

Über den Autor

Dr. Hans Schipper ist seit 2009 Leiter des Süddeutschen Klimabüros am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), eines von vier Regionalen Helmholtz-Klimabüros. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit kommunalem Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Klimakommunikation.