DWD-Referenz-Ensembles als verlässliche Datenbasis für die Klimaanpassung in Deutschland
23.06.2026 | Zur Sache
23.06.2026 | Zur Sache
Ein Editorial von Dr. Andreas Paxian vom Deutschen Wetterdienst (DWD)
Die globalen Durchschnittstemperaturen sind seit der frühindustriellen Epoche um etwa 1,4 °C gestiegen. Der Temperaturanstieg in Deutschland liegt in diesem Zeitraum bereits bei 2,5 °C. Steigende Temperaturen führen zu häufigeren und schwerwiegenderen Wetter- und klimabedingten Extremereignissen, die schon heute große Schäden verursachen. Eine verstärkte Klimaanpassung ist unerlässlich, um Leben, Lebensgrundlagen und den Wirtschaftsstandort Deutschland zu schützen. Essentielle Grundlage für die effiziente Anpassung an den Klimawandel sind wissenschaftlich fundierte Aussagen zum zukünftigen Klima.
Daher bin ich sehr froh, dass wir vom Deutschen Wetterdienst (DWD) mit einer neuen Generation regionaler Klimaprojektionen nun bundesweit einheitliche, qualitätsgeprüfte modellierte Klimadaten für Deutschland und die nach Deutschland entwässernden Flusseinzugsgebiete bis zum Jahr 2100 vorbereiten können. Wir nennen diese Datengrundlage, die wir perspektivisch auf eine Gitterweite von 5 Kilometern bringen, DWD-Referenz-Ensembles.
Die DWD-Referenz-Ensembles enthalten national und international erstellte regionale Klimaprojektionen, die den Einfluss der möglichen Entwicklungen von atmosphärischen Treibhausgaskonzentrationen auf das Klimasystem berechnen. Bevor diese Klimaprojektionen allerdings Eingang in die DWD-Referenz-Ensembles finden, unterziehen wir sie einer gründlichen Qualitätsbewertung. Dazu hat mein Team ein dreistufiges Verfahren entwickelt, mit dem die verfügbaren Klimaprojektionen systematisch überprüft werden. Auf Basis dessen bewerten wir, wie gut die Modelle das mit unseren Messsystemen erfasste Klima der vergangenen Dekaden in Deutschland abbilden. Klimaprojektionen, die in bestimmten Regionen oder für bestimmte klimatologische Größen Abweichungen, Ausreißer oder andere Auffälligkeiten zeigen, werden aussortiert.
Das Ergebnis ist eine konsistente und belastbare Datengrundlage, die als Basis für die Abschätzung von Klimafolgen und Klimarisiken auf nationaler wie regionaler Ebene dienen kann – und damit zu bestmöglicher Planungssicherheit von Bund, Ländern und Kommunen in Bezug auf Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel beiträgt. So erstellt beispielsweise der DAS-Basisdienst „Klima und Wasser“ als operationeller Dienst von Bundesbehörden unter dem Dach des Bundesverkehrsministeriums aus den DWD-Referenz-Ensembles eine hydrologische Datengrundlage, um unter anderem Anpassungsmaßnahmen für Binnen- oder Küstengewässer empfehlen zu können.
Um einer breiten Zielgruppe das Verständnis der abstrakten Klimaprojektionen zu erleichtern, arbeiten wir bei den neuen DWD-Referenz-Ensembles auch mit sogenannten Personas: Wir beschreiben beispielsweise, was veränderte Treibhausgasemissionen und damit einhergehende mögliche Temperatur- und Niederschlagsentwicklungen für eine Landwirtin in Brandenburg oder eine Seniorin im Oberrheingraben bedeuten. Mit dieser Veranschaulichung der Herausforderungen in einem künftigen Klima schlagen wir die Brücke zwischen wissenschaftlichen Klimadaten und deren Nutzung in unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen.
Alle Daten des DWD-Referenz-Ensembles werden der Öffentlichkeit nach Fertigstellung im Herbst 2026 auf Datenservern frei und offen zur Verfügung gestellt. Sie sind ein wichtiger Baustein in der Erfüllung unseres gesetzlichen Auftrages, Klimadaten bereitzustellen, die Politik, Verwaltung und Gesellschaft bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Weitere Informationen finden Sie unter www.dwd.de/klimaprojektionen.
Dr. Andreas Paxian ist seit 2024 Leiter des Sachgebiets „Klimaservices der Zukunft“ beim Deutschen Wetterdienst (DWD). In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der nutzerorientierten Bereitstellung von Klimavorhersagen und Klimaprojektionen.