Detailansicht News

12.07.2018

DKK-Geschäftsführerin im Tagesspiegel Background

„Was wohl an vielen vorbeiging, ist Marie-Luise Beck nachhaltig im Gedächtnis geblieben: die ersten Regierungserklärungen dieser Legislaturperiode.“ So beginnt das Porträt vom 9. Juli, das Sie hier nachlesen können.


DKK-Geschäftsführerin Marie-Luise Beck © DKK, S. Röhl

Was wohl an vielen vorbeiging, ist Marie-Luise Beck nachhaltig im Gedächtnis geblieben: die ersten Regierungserklärungen dieser Legislaturperiode. Im März stellten die neugewählten Minister ihre Ziele vor, die Abgeordneten der Fraktionen durften danach wie üblich reden. So kam es, dass zum ersten Mal auch eine Stimme der AfD im höchsten deutschen Parlament etwas zum Klimawandel sagte – und ihn gleich als Fantasie grüner Ideologien abtat. „Das war für mich ein ganz dunkler Tag“, gesteht Beck. „Es ist noch einmal etwas anderes, ob diese abstrusen Thesen irgendwo auf dem Marktplatz kundgetan werden oder im Bundestag.“

Die Worte des AfD-Abgeordneten haben Beck getroffen, kämpft sie doch nun seit sechs Jahren für mehr Tatendrang gegen den Klimawandel. Beck ist seit 2012 Geschäftsführerin des Deutschen Klima-Konsortiums, kurz DKK. Ihr Verband vertritt die deutsche Klimaforschung. Dazu gehören Mitglieder wie der Deutsche Wetterdienst oder das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Gegenüber den sogenannten Klimaskeptikern im Bundestag vertritt Beck eine klare Haltung: „Es ist verantwortungslos, Wissenschaft derart zu ignorieren“, sagt sie. Was die DKK-Geschäftsführerin am meisten ärgert: „Die AfD ignoriert ja nicht jede Form der Wissenschaft, sondern eben nur jene, die nicht zur eigenen politischen Linie passt.“

Beck publiziert, schreibt Essays, spricht mit Politikern. In der Klima- und Umweltpolitik geht dennoch vieles nur schleppend voran. „Selbstverständlich bin ich manchmal deprimiert.“ Das gehe auch anderen Kollegen so, mit denen sie spreche. Auf der anderen Seite stärke diese Gemeinschaft im Verband auch sehr. Motivation und Halt findet Beck zudem in ihrem christlichen Glauben. „Dadurch bin ich nicht so schnell zu entmutigen.“ Und dennoch: Dass die Diskussionen um die Existenz des menschengemachten Klimawandels wieder so eine große Relevanz bekommen, hätte sie vor zwei, drei Jahren nicht gedacht.

Die DKK-Geschäftsführerin will Ursachen ausgemacht haben, warum Menschen am Klimawandel zweifeln. „Schleichende Risiken können wir mit unseren fünf Sinnen nicht wahrnehmen.“ Ein Beispiel: „Die meisten Menschen wissen, wie gesunde Ernährung aussieht“, sagt Beck. Und trotzdem würden sich viele nicht gesund ernähren. „Wir Menschen sind so gestrickt, dass wir noch mehr brauchen als Wissen.“ Zwar sei Wissen immer die Basis, reiche aber allein nicht aus. Das heiße aber nicht, dass die Klimaforschung nichts daran ändern könne. Ihr Lösungsansatz: Wissenschaft und Praxis schon in der Fragestellung zu verzahnen. „Wenn wir wissenschaftlich Antworten auf den Klimawandel suchen, brauchen wir neben naturwissenschaftlichem auch psychologisches oder politisches Know-how“, sagt sie.

Bevor Beck zum Deutschen Klima-Konsortium kam, arbeitete sie drei Jahre lang für das Projekt „Forschungsforum Öffentliche Sicherheit“ an der Freien Universität in Berlin. Dort verantwortete sie die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik zu Themen rund um die öffentliche Sicherheit. Darunter fiel auch das Disaster Management nach Naturkatastrophen. Das Interesse für Klima und Umwelt wurde bei Beck aber schon viel früher geweckt. Sie ist in Ludwigshafen am Rhein aufgewachsen, verbrachte mit ihrer Familie oft Zeit in der umliegenden Natur.

Ein Bild aus ihrer Kindheit wird Beck nie vergessen: Als in den 70er Jahren der Rhein einen historischen Tiefstand erreicht hatte, ging Beck mit ihrer Familie am Ufer spazieren. Am Flussrand fiel ihr eine knallorange Masse auf. Gift, mutmaßte ihre Mutter und warnte die damals Zehnjährige, es anzufassen. Ob der Chemiemüll nun tatsächlich giftig war oder nicht, weiß sie nicht. Es war dennoch ein erster Impuls, sich über die Verschmutzung durch Unternehmen Gedanken zu machen. „Ich habe angefangen, mich dafür zu interessieren“, sagt Beck. „Das hat mich schon geprägt.“

Zwischenzeitlich sah es aber danach aus, als würde Beck einen ganz anderen Weg einschlagen. Sie hat Biologie, Germanistik und Erziehungswissenschaften in Marburg studiert und wollte Lehrerin werden. Ihre Fächerwahl war für die damalige Zeit unkonventionell, gibt sie zu. „Im Endeffekt war das mit einer der Gründe, warum ich keine Chancen hatte, in den Schuldienst zu kommen“, sagt Beck. „Im Nachhinein bin ich aber glücklich und zufrieden, dass es anders gekommen ist.“ Laurin Meyer

Wer ist Ihr Stromanbieter, warum gerade dieser?
Elektrizitätswerke Schönau. Sie bieten seit den 90er Jahren 100 Prozent Ökostrom aus Bürgerhand an. Schönau ist ein kleines Nest im Südschwarzwald. Nach dem Reaktorunfall Tschernobyl haben sich ein paar Leute zusammengetan, um von dem ach so unersetzlichen Atomstrom wegzukommen. Sie haben sich dafür mit den Energiekonzernen angelegt: David gegen Goliath und David hat gewonnen.

Was muss passieren, damit Sie ein E-Auto kaufen?
Ganz einfach: Es muss billiger werden. Ein Elektromotor ist ja eine längst bekannte und ausgereifte Technik und braucht nur einen Bruchteil der Teile eines fossilen Motors. Warum sollte deshalb ein E-Auto nicht billiger sein? Ich glaube, dieser zähe Prozess um bezahlbare, kleinere E-Autos ist am allerwenigsten technisch begründbar.

Wer aus der Energie- und Umweltszene hat Sie beeindruckt?
Hermann Scheer, genannt ‚Mister Solar‘ und leider viel zu früh verstorbener SPD-Politiker. In einer Bundestagsrede vor rund 20 Jahren hatte er mal sinngemäß gesagt: Müsste man in die Sonne einen Stecker stecken, um Solarenergie zu gewinnen, dann könnte man die Solarenergie monopolisieren und es gäbe seit Jahrzehnten Solarforschung und tausende Solarkraftwerke. Die Tatsache aber, dass die Sonne auch der ärmsten Bäuerin in Afrika kostenlos scheint, macht sie für Konzerne so unattraktiv – da ist mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht aufgegangen.

Was war für Sie die wichtigste Energie-Innovation der vergangenen Jahre? Welche würden Sie sich wünschen?
Die wichtigste politische Innovation ist der CO2-Preis, auch wenn er erst in Ansätzen verwirklicht ist. Okay, die derzeit zaghaften Umsetzungen wie der Europäische Emissionshandel sind nicht befriedigend und die Weiterentwicklung ist äußerst schleppend – aber die Idee ist in der Welt.

Dieser Text ist zuerst im Tagesspiegel Background erschienen (https://background.tagesspiegel.de) und wurde von Laurin Meyer (www.torial.com/laurin.meyer) verfasst. Er wurde am 9. Juli 2018 veröffentlicht.


© 2018 DKK - alle Rechte vorbehalten